Hier wird über Neuerscheinungen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ruhrgebiets informiert.

Neuerscheinungen

Revier markiert – Die Spur der Frauen

Frauenpower im Ruhrgebiet: Die aktuelle Ausgabe des Magazins „Metropole Ruhr. Unterwegs im Ruhrgebiet“ gibt sich ganz und gar weiblich. Unter dem Titel „Revier markiert – Die Spur der Frauen“ werden bekannte und unbekannte Frauen aus Wirtschaft, Politik, Sport, Wissenschaft und Kultur vorgestellt. Was sie verbindet: Sie sind stark, selbstbewusst und zielstrebig. Und sie stehen allemal „ihren Mann“.

Etwa Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied im Vorstand der RAG-Stiftung. Sie spricht sich im Interview für mehr weibliche Führungskräfte aus. Den ersten Maschinenbau-Studiengang nur für Frauen stellt Prof. Dr. Alexandra Dorschu vor. Andrea Zippel aus Essen boxt sich durchs Leben – sie steigt dafür regelmäßig in den Ring. Dass Frauen in der Kultur eine wichtige Rolle spielen, beweisen Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp und Reva Rice, die die neue Hauptfigur „Mama“ im Musical „Starlight Express“. Susanne Abeck und Uta C. Schmidt haben mit ihrem Portal frauen/ruhr/geschichte einen Pool mit „starken Frauen im Revier“ geschaffen, indem sie die Biografien (historisch) interessanter Frauen der Region zusammentragen. Karola Geiß-Netthöfel, Direktorin des Regionalverbandes Ruhr (RVR), tritt mit Studentin Laura Bahr in einen Generationendialog über Genderfragen. Das letzte Wort hat Kabarettistin Lioba Albus, die darüber nachdenkt, wo Frauen heute stehen.

Zahlreiche Freizeit- und Kulturtipps runden das Magazin ab. Das Heft „Metropole Ruhr“ gibt der RVR gemeinsam mit der Ruhr Tourismus GmbH (RTG) heraus. Es präsentiert ein facettenreiches Ruhrgebiet, das einlädt, Land und Leute kennenzulernen und mehr über eine Metropole der neuen Art zu erfahren. Das Magazin erscheint viermal jährlich im Markt1 Verlag und wird mit 100.000 Exemplaren an zahlreichen Orten wie Touristeninfos und Szenelokalen verteilt.

Infos und Download: www.magazin.metropole.ruhr

Neuerscheinungen

Geschlechter(um)ordnung überall?

Julia Paulus geht in ihrem Beitrag in dem von ihr mitherausgegebenen Sammelband Weimar im Westen. Republik der Gegensätze der in Ansätzen gelungenen Frauenemanzipation in der Weimarer Republik in Rheinland und Westfalen nach.

Der siebenseitige Aufsatz ist unterteilt in „Arbeit – Beruf – Berufung: Männliche Repräsentationen und weiblicher Zuverdienst“, „Die Geburt der Akademikerin als ‘Alte Jungfer‘“, „Frauen in der Politik – ‘Einbruch‘ in eine Männerdomäne“ sowie „Und der ‘neue‘ Mann? Selbstbewusstein und Verheissung – ein Ausblick“.

Neuerscheinungen

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. In Oberhausen ziehen Frauen ins Stadtparlament ein

Andreas Uecker: 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. In Oberhausen ziehen Frauen ins Stadtparlament ein, in: Schichtwechsel. Journal für die Geschichte Oberhausens, Heft 1/2019, 14. Jg., Oberhausen 2019, S. 6-9

Das ganze Heft ist dem Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland gewidmet, doch nur der Beitrag von Andreas Uecker (Stadtarchiv Oberhausen) geht dem historischen Ereignis auf lokaler Ebene nach. Immerhin!

Neuerscheinungen

Frauen im Bauhaus – Ausstellungen in NRW

Der Internationale Frauentag am 8. März erinnert an den Kampf um Frauenrechte. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten Frauen in vielen Ländern erstmals die Möglichkeit, zu wählen. Die tatsächliche, auch gesellschaftliche Gleichstellung war (und ist) jedoch noch weit entfernt. Auch am Bauhaus wurde Gleichberechtigung postuliert – gelebt wurde sie jedoch nicht immer.

Am 8. März ist der Internationale Frauentag. Initiiert wurde er vor dem Ersten Weltkrieg von so berühmten Frauenrechtlerinnen wie Clara Zetkin. Sie forderten die politische und gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau. Mit der Weimarer Verfassung konnte zumindest die politische Gleichstellung verwirklicht werden: Darin wurden das aktive und passive Frauenwahlrecht festgeschrieben. Es ist mutigen Frauen auch aus dem Westen zu verdanken, die sich dafür einsetzten. Deren Biografien erforscht und präsentiert unser Online-Portal.

Damit begann sich auch der gesellschaftliche Status und der Selbstanspruch der Frauen zu verändern, jedoch nicht so radikal, wie man heute glaubt, wenn man an die Neue Frau der 1920er Jahre denkt. Die Ausstellung Mythos Neue Frau (17.2. – 17.11.2019) des LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller thematisiert diesen Widerspruch zwischen Realität und Mythos. Gezeigt wird die Schau vom 29.3. bis zum 1.11.2020 auch im LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt. Wie sich die Stellung der Frau auf dem Land veränderte, wird das LVR-Freilichtmuseum Lindlar mit der Sonderausstellung „Neue Politik. Frauen auf dem Land“ ebenfalls ab März 2020 zeigen.

Auch das Staatliche Bauhaus, 1919 in Weimar gegründet, versprach ein gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen. Tatsächlich gab es im ersten Semester sogar mehr Studentinnen als Studenten. Schnell zeigte sich jedoch, dass die gängigen Geschlechterkonzeptionen der lehrenden Männer sehr traditionell waren. In der Realität stand den Frauen daher meist nur die Weberei-Werkstatt als Ausbildungsort offen. Berühmt ist Oskar Schlemmers Ausspruch: „Wo Wolle ist, ist auch ein Weib, das webt und sei es nur zum Zeitvertreib.” Johannes Itten unterstellte Frauen sogar ein „zweidimensionales Sehen”, daher sollten sie lieber in der Fläche arbeiten.

Einigen Frauen arrangierten sich mit diesem Schicksal und die Weberei bot ihnen die Möglichkeit, Großes zu leisten. Deren Leiterin wurde 1927 Gunta Stölzl. Auch Anni Albers entdeckte ihr Talent für das Weben. Ihr Werk hat die Kunstsammlung NRW (K 20) in Kooperation mit der Tate Modern, London schon im Sommer 2018 vorgestellt. Ebenfalls in die Weberei ging die aus Uerdingen stammende Benita Koch-Otte. Sie begann zu experimentieren, ohne sich an die Regeln des Handwerks zu halten. Sie war maßgeblich an der Ausstattung des Hauses am Horn beteiligt, also dem Musterhaus, das im Rahmen der ersten Bauhaus-Ausstellung gebaut wurde.

Nach dem Weggang Gunta Stölzls besetzte der dritte und letzte Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe die Stelle mit seiner beruflichen wie privaten Partnerin Lilly Reich. Reich wurde oftmals nur als Mies’ Assistentin angesehen; wie groß ihr Anteil an seinem Schaffen allerdings tatsächlich war, hat das Forschungsprojekt Bauhaus und Industrie in Krefeld des Projekts mik e.V. herausgefunden. Deren Ergebnisse werden ab vom 7.4. bis zum 28.10.2019 in einem von Thomas Schütte gebauten Pavillon in Krefeld präsentiert.

Doch es gab auch Frauen, die in anderen Werkstätten reüssieren konnten. Ein sehr erfolgreiches Beispiel ist Marianne Brandt, deren geometrische Teekanne und Aschenbecher berühmt geworden und noch heute begehrte Design-Objekte sind. Ihre Entwürfe machten einen Großenteil der Modelle aus, die aus der Metallwerkstatt kamen: Erfolge, die niemand leugnen konnte!

Margarete Heymann-Loebenstein hatte es ungleich schwerer an die Werkstatt ihrer Wahl, nämlich die Keramik-Werkstatt zu gelangen. In einer Meisterratssitzung wurde sogar entschieden, vorerst keine Frauen mehr aufzunehmen. Frustriert verließ sie nach knapp einem Jahr das Bauhaus wieder und gründete 1923 mit ihrem Mann die kommerziell erfolgreichen Haël-Werkstätten. Ihrem Œuvre und dem ihrer Cousine widmet sich die Ausstellung 2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK) vom 12.4. bis 11.8.2019.

Die wenigen positiven Beispiele von Frauen am Bauhaus können also nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Männer am Bauhaus formal Frauen eine gleichgestellte Ausbildung ermöglichen wollten, ihnen dies in der Realität aber oftmals verweigerten. Damit steht das Bauhaus exemplarisch für die gesellschaftliche Stimmung in der Weimarer Republik.

Literatur: Müller, Ulrike: Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. München: Elisabeth Sandmann Verlag GmbH. 2009

 

 

Neuerscheinungen

Gender Studies: Internationales Zentrum gegründet

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) gründet das Marie-Jahoda-Center for International Gender Studies. Die Geschlechterforschung an der RUB blickt auf eine mehr als drei Jahrzehnte währende Geschichte. Schon seit den 1980er-Jahren besteht das „RUB-Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung“, das auf einen engen interdisziplinären Austausch und zugleich den aktiven Aufbau nationaler und internationaler Forschungs- und Lehrkooperationen setzt. Nun geht die RUB mit dem Marie-Jahoda-Center den nächsten Schritt.

Sie führt ihre maßgeblichen Instrumente zur Bildung von Gender-Wissensnetzwerken zusammen – die Marie-Jahoda-Gastprofessur und die Masterstudiengänge Gender Studies – und entwickelt sie weiter. Mit dem Leitmotto „Creating Gender Knowledge Networks – Building Bridges to Society“ fügt sich das neue Zentrum nahtlos in die Gesamtstrategie der RUB ein. „Der Netzwerkgedanke steht dabei im Vordergrund“, so Rektor Prof. Dr. Axel Schölmerich. Das Zentrum sei auch ein weiterer Eckpfeiler der Bochumer Bewerbung im laufenden Wettbewerb zur Exzellenzstrategie.

In der Tradition Marie Jahodas

Mit der Gründung des Centers stellen sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem kultur- und sozialwissenschaftlichen Bereich und die RUB erneut in die Tradition der österreichischen Sozialpsychologin Marie Jahoda (1907 bis 2001), die bereits Namenspatronin für die renommierte Gastprofessur für internationale Geschlechterforschung war. Marie Jahoda steht für wissenschaftliche Strahlkraft, für gelebte Interdisziplinarität und Internationalität sowie für eine konsequente Verbindung von Wissenschaft und gesellschaftlichen Fragestellungen.

Netzwerk in der Universitätsallianz

Ziel des Zentrums ist es, ein gutes Forschungsumfeld für Kooperationsprojekte zu schaffen und das besondere fachübergreifende Forschungsprofil konsequent fruchtbar zu machen. Prof. Dr. Katja Sabisch, Direktorin der Bochumer Gender Studies, hebt dafür die Bedeutung der Universitätsallianz Ruhr hervor: „Die Potenziale unserer Zusammenarbeit in der Geschlechterforschung sind enorm. Mit dem Center wird dies auf eine langfristige Basis gestellt.“

Die künftige Geschäftsführerin des Centers, Dr. Beate von Miquel, sieht als besonderes Merkmal, dass „Forschung und Lehre um den Wissenstransfer ergänzt werden, um dem gesellschaftlichen Bedarf nach Reflexion von Geschlechterbildern und Geschlechterwissen zu begegnen.“ Ein aktuelles Beispiel für das produktive Zusammenwirken von Forschung und Transfer ist die Kampagne „Unser Campus“. Der Hashtag Me-Too oder die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur „Dritten Option“ hatten zuvor gezeigt, dass es notwendig ist, neue Maßnahmen zu entwickeln, um einen inklusiven Campus zu schaffen.

Nachwuchsförderung

Ein starkes Augenmerk legt das Center auf die Förderung und Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Wenn es offiziell eröffnet wird, sollen sich vor allem Studierende, Doktoranden und Postdocs angesprochen fühlen. „Unser Call for Papers für die interdisziplinär organisierten Workshops richtet sich insbesondere an den Nachwuchs“, so Maximiliane Brand, Koordinatorin der Gender-Studies-Studiengänge und Sprecherin des wissenschaftlichen Mittelbaus im Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW.

Termin

Die offizielle Eröffnungsfeier des Centers fand am 25. und 26. Juni 2019 statt.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Katja Sabisch
Gender Studies
Fakultät für Sozialwissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 22988
E-Mail: katja.sabisch@rub.de

 

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Biographisches Handbuch der Abgeordneten des Preußischen Landtags, Verfassunggebende Preußische Landesversammlung und Preußischer Landtag 1919–1933

Mit diesem Handbuch werden erstmals die Biographien von allen Abgeordneten der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung und des Preußischen Landtags 1919–1933 vorgelegt. Das Land Preußen galt in der Weimarer Republik als demokratisches ‚Bollwerk‘. Erstmals zogen 1919 auch Frauen in das Parlament ein.

Das Handbuch ermöglicht den Zugriff auf eine in Vielfalt und Aussagekraft umfassende Zusammenstellung personengebundener Daten und Fakten zur Geschichte des deutschen und preußischen Parlamentarismus. In den Biographien spiegeln sich verschiedene Epochen in Deutschland – Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik Deutschland bzw. DDR. Die Verfolgung von Abgeordneten im Nationalsozialismus und Stalinismus wurde besonders erforscht und dokumentiert, um Erinnerung möglich zu machen.

Das umfangreiche Handbuch, hinter der eine jahrelange akribische Forschungsarbeit steckt, ist für das Ruhrgebiet von großem Interesse und Erkenntniswert, weil dort zahlreiche Informationen und weiterführende Quellen- und Literaturhinwiese zu Frauen zu finden sind, die sich mit der Erlangung des Wahlrechts  wählen ließen. So sind dort z. B. die Informationen zu Albertine Badenberg oder Helene Wessel zu finden. Die Erstgenannte kam aus Steele und war von 1923 bis 1933 Mitglied des Preußischen Landtags, die Zweitgenannte wuchs in Hörde auf, wurde 1928 in den Landtag gewählt und war eine der vier „Mütter“ – neben 61 „Vätern“ – des Grundgesetzes.

Inhaltsverzeichnis sowie weitere Informationen auf der Website des Peter Lang Verlags.

Barbara von Hindenburg (Hg.), Biographisches Handbuch der Abgeordneten des Preußischen Landtags, Verfassunggebende Preußische Landesversammlung und Preußischer Landtag 1919–1933. Reihe: Zivilisationen und Geschichte / Civilizations and History / Civilisations et Histoire, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Warszawa/Wien 2017, 2790 Seiten, ISBN 978-3-653-07049-1, 303,80 €

 

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„Männer wollten damals mutlos werden“

Wie kam es dazu, dass mit der Novemberrevolution 1918 ein Wahlrecht beschlossen wurde, das Frauen und Männer staatsrechtlich gleichstellte? Was waren die Voraussetzungen für diese größte Wahlrechtserweiterung aller Zeiten? Welche Akteurinnen forderten im Ruhrgebiet das Wahlrecht?

Susanne Abeck & Uta C. Schmidt: „Männer wollten damals mutlos werden“. Die Einführung des Frauenwahlrechts im Ruhrgebiet, in: Forum Geschichtskultur Ruhr, Schwerpunktthema: 1918/1919 – Revolution an der Ruhr, 02/2018, S. 38-42, ISSN 1436-7661, Bezug über den Klartext-Verlag, info@klartext-verlag.de

 

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„Die Vernunft befiehlt uns, frei zu sein!“ Mathilde Franziska Anneke. Demokratin, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin

Im April 2017 fand anlässlich des 200. Geburtstages von Mathilde Franziska Anneke in Sprockhövel eine Tagung statt, deren Beiträge nun in einem Band veröffentlicht wurden. Die Kunst- und Kulturinitiative Sprockhövel e.V hatte seinerzeit in Kooperation mit dem Stadtarchiv die Tagung maßgeblich organisiert und auch diesen Tagungsband erstellen lassen.

Die 1817 in Sprockhövel-Hiddinghausen geborene Anneke war Schriftstellerin und Journalistin und nahm innerhalb der Freiheitsbewegung in Rheinland/Westfalen vor und während der bürgerlichen Revolution von 1848/49 mit ihrem Ehemann Fritz eine führende Stellung ein. Auch nach ihrer Emigration in die USA engagierte sie sich für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, vor allem für die Gleichberechtigung der Frau. Aus unterschiedlichen Disziplinen beleuchten die Tagungsbeiträge die verschiedenen Aspekte des Wirkens der Revolutionärin und Frauenrechtlerin, der berühmten Tochter Sprockhövels. Ergänzt werden die Beiträge durch ein Grußwort von Bürgermeister Ulli Winkelmann und eine umfassende Bibliografie der Anneke-Literatur durch den Greifswalder Historiker Dr. Erhard Kiehnbaum.

Die Herausgeber*innen Susanne Slobodzian, Dr. Wilfried Korngiebel sowie KuKI-Vorsitzende und Archiv-Leiterin Karin Hockamp betonten, dass das in den letzten Jahren entstandene Netzwerk von Anneke-Forscher*innen und „Fans“ weiterhin gepflegt wird. Die Würdigung dieser großen Frau sollte auch ihren Heimatstädten Sprockhövel und Hattingen stets Verpflichtung bleiben.

Die Beiträge und ihre Verfasser*innen:

  • Prof. Dr. Anne Schlüter (Bochum): Gender als Analysekategorie zur Theoriefundierung in der Forschung und Kategorie sozialer Praxis
  • Dr. Irina Hundt (Schwielowsee): Leben und Werk von Mathilde Franziska Anneke (1817- 1884): Zum Forschungsstand seit 2000 und zu Forschungsperspektiven
  • Dr. Wilfried Korngiebel (Hattingen): Die Neue Rheinische Zeitung und die Neue Kölnische Zeitung 1848/49. Zwei Organe der Demokratie – zwei Publikumsprojekte. Sowie einige
  • Daten zur Geschichte der Neuen Rheinischen Zeitung und der Neuen Kölnischen Zeitung
  • Dr. Irmgard Stamm (Rastatt): Das Scheitern des Badisch-Pfälzischen Feldzuges und die Flucht von Mathilde und Fritz Anneke
  • Dr. Birgit Mikus (Oxford): Mathilde Franziska Anneke und ihre Texte – Menschenrechte literarisch

Susanne Slobodzian (Bochum): Die politischen Frauenfreundschaften Mathilde Franziska Annekes in Europa und in den USA – Die Briefe von Mary Booth und Cäcilie Kapp

Karin Hockamp, Wilfried Korngiebel und Susanne Slobodzian (Hgg. im Auftrag der Kunst- und Kulturinitiative Sprockhövel e.V.): „Die Vernunft befiehlt uns, frei zu sein!“ Mathilde Franziska Anneke. Demokratin, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin, Westfälisches Dampfboot, Münster 2018, 158 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-89691-284-8, 20,00 €

 

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Anders links sein

Jede Generation hat ihre Zeit. Auch für die Gewerkschafterin Maria Weber und den Gewerkschafter Gerd Muhr trifft das zu. Dennoch ist diese Doppelbiografie ein hochaktuelles Buch. Denn Maria Weber und Gerd Muhr veranschaulichen die Historie eines politischen Typus, den viele heute – zuletzt bis an die Spitze des höchsten Staatsamtes – vermissen. Bei ihnen finden wir Authentizität und eine glaubwürdige Politik, die sichtbar lebensgeschichtlich geprägt war, in der das persönliche und das institutionelle Engagement mit den eigenen Erfahrungen und der eigenen Persönlichkeit sich vereinte zu dem, was man wohl nur mit einem Begriff annähernd treffend beschreiben kann – Haltung. Im Blick von der Vergangenheit auf unsere Gegenwart zeigt sich das kritische Potential dieser Hommage. Dass die Skepsis gegenüber Teilen der gegenwärtigen politischen Elite in das „linke Lager“ und in die Gewerkschaftswelt führt, mag den einen mehr verwundern als den anderen. Aber auch diesbezüglich galt für Maria Weber und Gerd Muhr: ANDERS LINKS SEIN.

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte einer Gewerkschafterin, „erzkatholisch“ und eine Christdemokratin zumal, die ihre Herkunft aus dem rauen, echten Ruhrgebiet nie verleugnete, die als Christlich-Soziale moderne Familienpolitik machte lange vor Ursula von der Leyen, für das ganztägige Schulwesen kämpfte und sich um die Gesamtschule und aus anderen Anlässen raufte mit den Granden der CDU/CSU von Helmut Kohl über Kurt Biedenkopf bis zu Franz Josef Strauß. Und das Buch erzählt zugleich die Lebensgeschichte eines Gewerkschafters, der als Gewerkschaftsdiplomat gegen die europäischen Diktaturen in Griechenland, Portugal oder Spanien kämpfte, sich engagierte für Lech Walesa und den Befreiungskampf der Solidarnosc, im Ost-West-Konflikt vermittelte und sich als Anwalt der sogenannten „Dritten Welt“ und Afrikas sah, wenn er für die Entschuldung eintrat oder gegen die Apartheid in Südafrika zur Unterstützung Nelson Mandelas initiativ wurde. Die Welt der Gewerkschaften etwas mehr zu öffnen und für Außenstehende Unerwartetes aus dieser Welt zu zeigen, dafür eignen sich die Biografien Maria Webers und Gerd Muhrs besonders. Es lohnt sich, sich auf die verwehten Spuren zu begeben, die diese spannenden, vielschichtigen Persönlichkeiten hinterlassen haben. Denn die Welt der Funktionäre war nicht nur grau, sondern, wenn man genauer hinsieht, durchaus bunt – in diesem Fall vor allem: schwarz-rot.

Der Autor Stefan Remeke wurde bei Klaus Tenfelde und Norbert Frei mit einer Arbeit über die Ära Willy Brandt promoviert. Über die deutschen Gewerkschaften hat er mehrere Publikationen verfasst. Er beschäftigt sich außerdem mit deutscher Wirtschafts- und Sozialpolitik, den Biografien gesellschaftlicher Eliten sowie der Zeitgeschichte politischer und wirtschaftlichen Organisationen. Remeke ist Leiter der Agentur für Historische Publizistik (www.afhp.net).

Stefan Remeke, Anders links sein. Auf den Spuren von Maria Weber und Gerd Muhr, 591 Seiten, Hardcover, geb. m. zahlr. Abb., Klartext Verlag Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0488-0, 42,00 Euro