frauen/ruhr/geschichte versteht sich als Vernetzungsmedium. Hier werden die Veranstaltungen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ruhrgebiets angezeigt und archiviert, die im „News-Ticker“ auf der Startseite erscheinen.

Veranstaltungen

Ausstellung zur Geschichte lesbisch-schwuler Emanzipation

Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation

Gleichgeschlechtliche Paare können heute in Deutschland heiraten. Manche Minister*innen oder Oberbürgermeister*innen bekennen sich offen als schwul oder lesbisch. In Essen setzt sich seit einigen Jahren eine städtische Koordinierungsstelle für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Akzeptanz und Gleichstellung ein. Solchen und weiteren Erfolgen ist ein langer Kampf lesbischer und schwuler Initiativen vorausgegangen – in Essen, im Ruhrgebiet und deutschlandweit. Eine Ausstellung zeichnet nun die Geschichte dieser Emanzipation seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den Gerüchten um Friedrich Alfred Krupps Homosexualität zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Verabschiedung eines ersten Handlungsprogramms gegen die Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen im Jahr 1999 im Essener Stadtrat und blickt abschließend auf die Erfolge lesbisch-schwuler Emanzipation der letzten Jahre. „Vor allem in Zeiten gesellschaftlichen Aufbruchs wie zu Beginn der Weimarer Republik oder als Folge der 68er-Bewegung sind lesbische Frauen und schwule Männer für ihre Rechte eingetreten, haben für Anerkennung und gegen Diskriminierung gekämpft“, sagt Wolfgang D. Berude, Initiator der Ausstellung. „Wir zeigen dies an vielen Beispielen aus Essen und auch anderen Ruhrgebietsstädten.“ Berude, einer der Mitbegründer des Forums Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.) und des Arbeitskreises schwule Geschichte, recherchiert seit Jahrzehnten zu diesem Thema und hat sehr viel Material zu der Ausstellung beigesteuert.

Die Ausstellung blickt auch auf die Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus. Die Nazis verschärfen den § 175 im Jahr 1935, und im Rahmen einer Gestapo-„Aktion gegen Homosexuelle“ werden ab 1936 viele Männer aus Essen und Umgebung verhaftet, teilweise von Gerichten verurteilt und oft anschließend in Konzentrationslagern interniert. Viele überleben dies nicht. Und auch nach 1945 bleibt Sex zwischen Männern strafbar, der § 175 wird erst 1969 liberalisiert und 1994 ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

„Schwule und Lesben haben viel Mut gebraucht, einer in weiten Teilen homophoben Stimmung in der Gesellschaft, einem traditionell-bürgerlichen Rollenbild der Geschlechter und dem Strafgesetz zu trotzen. Viele haben es dennoch gewagt – die einen in Form individueller Lebensentwürfe, die anderen gemeinsam und öffentlich“, sagt der Historiker Stefan Nies, der die Ausstellung im Auftrag der Stiftung Ruhr Museum kuratiert hat.

Eine eigene Installation verweist auf die Situation lesbischer Frauen in den 1950er- und 60er-Jahren, die besonders unter der weiblichen Rollenzuweisung als Ehefrau und Mutter leiden. „Die Strategie der meisten lesbischen Frauen, mit dieser bundesdeutschen Realität der 1950er- und 60er-Jahre umzugehen, ist es – so wird vermutet – unauffällig zu sein. Nicht selten werden Tarnehen und heterosexuelle Scheinehen zwischen Schwulen und Lesben geschlossen, um sich gesellschaftlicher Diskriminierung zu entziehen“, stellt die Bildungswissenschaftlerin Dr. Bettina Waffner mit Blick auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse fest. Waffner gehört zu dem ehrenamtlichen Projektteam, das die Ausstellung gemeinsam mit dem Kurator Stefan Nies und Initiator Wolfgang D. Berude erarbeitet hat. Mitgewirkt darin haben zudem Dietrich Dettmann vom Magazin fresh, Markus Laubrock von der Aidshilfe, der Fotograf Moritz Leick, Michael Kleine-Möllhoff, der 1984 der erste offen schwule Ratsherr in Essen war, Friederike Ninnemann und Sabine Weinem von Frauen-Liebe im Pott – Flip e. V. sowie Sebastian Stute von der Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen LSBTI* der Stadt Essen. Der Historiker Dr. Frank Ahland aus Dortmund stand dem Projekt als wissenschaftlicher Berater zur Seite.

„Wenn wir nur über die Grenze in unser EU-Nachbarland Polen schauen, wo LSBTI* offen diskriminiert und einige Städte sich zynisch als ‚LSBTI-frei‘ bezeichnen oder nach Ungarn, wo die Rechte von Trans*menschen kürzlich stark eingeschränkt wurden, können wir stolz auf das sein, was bei uns alles erreicht wurde. Trotzdem gibt es noch viel zu tun“, sagt Sebastian Stute von der Koordinierungsstelle. „So wird auch heute noch Homosexualität im Sport oder in der Arbeitswelt teils tabuisiert, Trans*menschen werden immer noch pathologisiert, und es gibt immer noch Eltern, die ihre nicht-heterosexuellen Kinder in Therapie schicken. Gleichberechtigung muss erkämpft werden – immer noch und immer wieder.“

Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation
Ausstellung aus 22 Rollups und einer Installation
Ausstellungsorte:
• 3. August bis 12. August 2020:
Rathaus Essen, Foyer, Porscheplatz 1, 45121 Essen (Eingang durch Haupteingang neben Rathausgalerie), Öffnungszeiten Ausstellung: Mo–Do 7.00–16.00 Uhr, Fr 7.00–15.00 Uhr
• 27. August bis 8. Oktober 2020:
Volkshochschule Essen, Ausstellungsfoyer 2. Etage, Burgplatz 1, 45127 Essen
Öffnungszeiten Ausstellung: Mo–Fr. 9.00–21.00 Uhr, Sa./So., 26./27. Sept., 9.00–18.00 Uhr
• 15. Januar bis 4. März 2021:
Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv, Foyer, Ernst-Schmidt-Platz 1, 45128 Essen,
Öffnungszeiten Ausstellung: Mo, Di, Mi 9.00–15:30 Uhr, Do 9.00–18.00 Uhr, Fr 9.00–13.00 Uhr

Eine Ausstellung der Aidshilfe Essen e. V., Arbeitskreis Schwule Geschichte, und des Ruhr Museums in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen LSBTI* der Stadt Essen, dem Forum Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.) und Frauen-Liebe im Pott – Flip e. V. Schirmherr: Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen.

Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm und es erscheint Mitte/Ende August ein Begleitbuch zur Ausstellung.
Ausstellung und Begleitbuch wurden ermöglicht durch finanzielle Unterstützung von:
• Stiftung Ruhr Museum
• Stadt Essen, Kulturamt
• Sparkasse Essen, Sparkassenlotterie PS-Sparen und Gewinnen
• Alfred-Krupp-und-Friedrich-Alfred-Krupp-Stiftung
• Hannchen-Mehrzweck-Stiftung für homosexuelle Selbsthilfe

Veranstaltungen

Künstlerische Recherche-Residenz zu Fasia Jansen: Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz

Nach einem Juryentscheid am 30. Juli 2020 sind Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz vom Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln und Interkultur Ruhr zu einer zweimonatigen Recherche-Residenz eingeladen worden. Die Ergebnisse aus ihrer Beschäftigung mit der verstorbenen Aktivistin und Liedermacherin Fasia Jansen aus Oberhausen werden im Frühjahr 2021 im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals in Dortmund präsentiert.

Die Kunst- und Kulturproduzentinnen Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz werden mit einer Schwarzpositionierten künstlerisch-kulturhistorischen Recherche Fasia Jansens Leben und Wirken in Zusammenhängen der regionalen, aber auch der globalen Schwarzen Bewegung untersuchen. “Der Großteil der bereits entstandenen Recherchen, Bücher, Filme und Archive zu Fasia Jansen wurde von weißen Autor*innen verfasst und gesammelt. Dies spiegelt sich in dem Diskurs um Fasia Jansen wider: So wird beispielsweise nur beiläufig auf das bis jetzt wenig recherchierte Netzwerk Schwarzer Akteur*innen, das sie im Ruhrgebiet, aber auch international umgab, eingegangen,” heißt es in ihrem Bewerbungsschreiben. „Als Schwarze deutsche Kunstschaffende und Aktivistin nimmt Fasia Jansen, die sich weltweit insbesondere für Frauenrechte und Frieden eingesetzt hat, eine einzigartige Position in der Geschichte des Ruhrgebiets und Deutschlands ein.“

“Wir sind froh, mit Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz Residentinnen gefunden zu haben, die sich als kritische Erbinnengemeinschaft verstehen. Sie wollen bisher unsichtbare soziopolitische Einbindungen von Fasia Jansen untersuchen und ihre Geschichte auf selbststärkende Potentiale für Schwarze Bewegungen des heutigen Ruhrgebiets hin untersuchen”, so die fünfköpfige Jury, bestehend aus Betty Schiel (IFFF Dortmund | Köln), Ella Steinmann (Theater Oberhausen), Eva Busch (atelier automatique), Maxa Zoller (IFFF Dortmund | Köln), Johanna-Yasirra Kluhs (Interkultur Ruhr).

Über die Residentinnen:

Princela Biyaa lebt seit über 8 Jahren im Ruhrgebiet. Wichtige Schritte zur Unterstützung der Sichtbarmachung Schwarzer Perspektiven, dem Diskurs deutscher kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart im Ruhrgebiet waren für sie die Mitbegründung der PoC Gruppe Bochum/Dortmund und des Postkolonialen Lesekreises der PoC AG an der TU Dortmund. Neben ihrem Engagement und Forschungen im akademischen Kontext ist sie seit mehreren Jahren im aktuellen Diskurs um die Anerkennung postmigrantischer Perspektiven und (Mehrfach)Zugehörigkeiten aktiv. Diesbezüglich ist sie in verschiedenen sozialen Projekten tätig, wie z.B. Projekt Ankommen e.V. und Familienzukunft. Derzeit konzipiert sie eine Workshopreihe zum Thema „Self Care and Community Care” für den vkii und arbeitet als Kuratorin an dem Projekt “Du denkst, du kennst Dortmund” (Arbeitstitel), welches lokalen Kunst- und Kulturschaffenden Akteur*innen der Nordstadt Gehör und Sichtbarkeit geben wird. Ab Juli 2020 arbeitet sie als Bildungsreferentin des Kompetenzzentrums Anti-Schwarzer Rassismus bei Each One Teach One e.V..

Marny Garcia Mommertz hat 2018 in Den Haag den Verein Afro Student Association mitgegründet, um mit internationalen Schwarzen Studierenden eine geschütztere Plattform des Austausches zu bilden und sich für positive Selbstrepräsentation von und für Schwarze im Stadtbild einzusetzen. Durch längere Aufenthalte in der Karibik, Südamerika, Nordamerika, Europa und Westafrika hat sie ein sich ständig erweiterndes globales Verständnis von Schwarzsein. So absolvierte sie zum Beispiel ein Praktikum bei der Bürger*innenrechtsbewegung Y’En A Marre in Dakar (Senegal) mit den Zielen, Strategien der Mobilisierung Schwarzer Menschen kennenzulernen und ihr Netzwerk zu erweitern. Als freie Mitarbeiterin am Goethe-Institut Salvador-Bahia betreute und unterstütze sie u.a. internationale Kunstschaffende der Künstler*innenresidenz Vila Sul. Durch die Arbeit mit internationalen Schwarzen Kunstschaffenden im Kontext der Stadt Salvador hat sie tiefe Einblicke in verschiedene Praktiken erworben, bei denen Selbstrepräsentation oder Aktivismus mit Kunst verwoben sind. Seit Januar 2020 arbeitet sie als kuratorische Assistenz beim Hartware MedienKunstVerein e.V. in Dortmund.

Beide Residentinnen sind Mitbegründerinnen der Association of Black Arti_ists, die die Selbstrepräsentation von Schwarzer Kunst und Künstler*innen in Europa stärken möchte.

www.interkultur.ruhr/kalender/juryentscheid-zur-kuenstlerischen-recherche-residenz-fasia-jansen

Veranstaltungen

„Frau Architekt“: Ausstellung ab 12. August im Haus der Architekten

Seit mehr als 100 Jahren sind Frauen im Architektenberuf tätig. Trotzdem sind Architektinnen nur selten wirklich sichtbar. Das möchte die Ausstellung „Frau Architekt“ ändern: Baukultur Nordrhein-Westfalen präsentiert sie ab 12. August 2020 in Düsseldorf.

Live-Stream zur Ausstellungseröffnung am 11. August 2020, 19.00 Uhr

„Es braucht immer noch sehr viel Selbstvertrauen, um seinen Weg als Frau in der Architektur zu machen“, sagt die bekannte englische Architektin Alison Brooks. „Wir wachsen mit Helden und Göttern auf, die allesamt männlich sind.“ Genau an diesem Punkt setzt das Museum der Baukultur mit der Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf“ an: Sie will berufliche Werdegänge und vorbildliche Bauten von Architektinnen präsentieren und damit Vorbilder zeigen, Identifikation ermöglichen und Mut machen, den Beruf zu ergreifen.

Die Ausstellung in Düsseldorf setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Bereits 2017 konzipierte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt die Ausstellung „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren Frauen in der Architektur“. Aus dieser umfangreichen Ausstellung präsentiert das Museum der Baukultur neun historische Architektinnen, deren Werdegänge und Tätigkeitsfelder charakteristisch für die Zeit vom späten Kaiserreich bis in die 1960er und -70er Jahre sind. Die ausgewählten Porträts sollen stellvertretend stehen für typische Werdegänge: Autodidaktinnen, erste Erfahrungen in familiären Unternehmen, erste Hochschulabsolventinnen, im Schatten bedeutender Männer, Lebenswege von jüdischen Architektinnen im Dritten Reich, Berufsbilder in der BRD und der DDR. Unter den im DAM präsentierten Frauen gab es bereits sechs Architektinnen, die für NRW eine bedeutende Rolle gespielt haben: Therese Mogger, Lilly Reich, Vera Meyer-Waldeck, Merete Mattern und Verena Dietrich.

Therese Mogger (1875-1956) war nicht nur als Architektin tätig, sondern auch als Bauherrin, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Trotz neuer Forschung steht Lilly Reich (1885-1947) immer noch im Schatten von Mies van der Rohe. Dabei schuf sie gelungene Markenauftritte für die Vereinigten Seidenwebereien in Krefeld, und ihre Möbelentwürfe sind heute Design-Klassiker. Merete Mattern (1941-2007) beteiligte sich 1966/ 1967 am internationalen städtebaulichen Wettbewerb für Ratingen-West. Ihren Beitrag feierte die Zeitschrift Bauwelt als den einzigen visionären Entwurf unter den 132 Einreichungen. Maria Schwarz (1921-2018) gilt bis heute vor allem als „Gralshüterin“ des Werkes ihres Mannes Rudolf Schwarz. Dabei führte sie das Büro ab 1961 als selbständige Architektin mit einer Vielzahl von eigenen Aufträgen. Ellen Birkelbach (1924-2011) unterhielt über 50 Jahre ein eigenes Büro für Innenarchitektur und schuf nicht nur ikonische Ausstattungen für das Café Heinemann sowie die Kundenhallen und Chefetagen der Deutschen Bank und Dresdner Bank auf der Königsallee in Düsseldorf. Sie prägte darüber hinaus eine ganze Generation von heute tätigen Innenarchitektinnen.

Ein zweiter vom Museum der Baukultur neu kuratierter und gestalteter Ausstellungsteil beschäftigt sich mit den aktuellen Arbeiten von Architektinnen aus NRW, also Frauen, die in einem in NRW beheimateten Büro oder an einer der NRW Hochschulen arbeiten. Diese stammen aus dem Hochbau, der Stadtplanung, der Landschafts- und Innenraumgestaltung sowie der Bauforschung und werden jeweils mit einem charakteristischen Werk vorgestellt. In diesem Ausstellungsteil sollen das vielfältige Bauen von Frauen in NRW sowie ihre individuelle architektonische Haltung im Fokus stehen. Mittlerweile sind Frauen in allen Bereichen und Typologien der Architektur tätig.

Bei all diesen Erfolgen und Maßstäbe setzenden Projekten ist es schwer verständlich, warum viele Architektinnen so unsichtbar bleiben. Heute erreichen mehr Architektinnen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, als Baudezernentinnen und als Hochschullehrerinnen. An dem ungleichen Geschlechterverhältnis ändern solche Karrieren jedoch bislang noch wenig: Nur 31 Prozent des aktiven Berufsstandes sind zurzeit Frauen.

12. August bis 2. Oktober 2020, Haus der Architekten in Düsseldorf.

„Frau Architekt“ bildet den Rahmen für ein Begleitprogramm, dass die Stellung, die Sichtbarkeit sowie die Teilhabe von Frauen im Architekturberuf diskutiert:

Di., 15.9., 19 Uhr – Frauen im Architekturberuf: innovativ, mutig – und doch nicht sichtbar
Mit Robert Franken, Blogger und Feminist; Karin Hartmann, freie Journalistin;
Riklef Rambow, Psychologe und Hochschullehrer für Architekturvermittlung;
Claudia Roggenkämper, Architektin und Partnerin bei HPP Architekten

Mi., 23.9., 19 Uhr – Von der erfolgreichen Studentin zur unsichtbaren Architektin!
Ein offenes Gespräch über Realitäten und Vorstellungen in Ausbildung und Beruf – mit Student*innen und Dozent*innen, Architekt*innen, Stadtplaner*innen sowie interessierten Gästen.
Moderation: Peter Köddermann, Baukultur Nordrhein-Westfalen

Führungen: Di.,15.9., und Mi., 23.9., jeweils 17.30 Uhr

Hinweis: Aufgrund der Corona-Pandemie kann an den jeweiligen Veranstaltungen und Führungen nur eine begrenzte Personenzahl teilnehmen. Verbindliche Anmeldung mit Namen, Adresse und Telefonnummer unter: info@baukultur.nrw

Weitere Informationen hier.

Veranstaltungen

Stift oder Ehe? Die „Pfründenpolitik“ des Hauses Manderscheid-Blankenheim und das kaiserlich-freiweltliche Damenstift Essen

Donnerstag, 27. August 2020, 18:00 Uhr

Vortrag von Dr. Gabriele Rünger

Wie kaum ein anderes Geschlecht nutzten die Grafen von Manderscheid-Blankenheim die Damenstifte, um ihre Herrschaftsmacht, die seit dem 15. Jahrhundert stetig zunahm, zu demonstrieren. Sie schickten ihre Töchter zur Erziehung in ein Damenstift, meist bei einer verwandten Fürstäbtissin. Etwa die Hälfte der Stiftsdamen verließ das Stift wieder nach wenigen Jahren, um zu heiraten, wenn die Familieninteressen dies verlangten. So gehörte der Lebensabschnitt in einem Damenstift zum normalen Lebensweg der katholischen hochadeligen Gräfinnen. Eine Präbende in einem freiadligen Reichsstift war eine Ehre, die in Heiratsverträgen oder Testamenten ausdrücklich herausgestellt wurde. Eine ganz besondere Auszeichnung war die Aufnahme in das Damenstift Essen, dem reichsten im 17. Jahrhundert. Andererseits waren die Stifte aber auch „Versorgungseinrichtungen“, wo unverheiratete Töchter standesgemäß leben konnten.

Am Beispiel der Anna Salome von Manderscheid-Blankenheim (1628-1691), die von 1647 bis 1690 Fürstäbtissin in Thorn und von 1688 bis 1691 in Essen war, soll einerseits ihr exklusives Leben, andererseits die Hausmachtpolitik ihrer Familie – rund zwei Drittel der neu aufgenommenen Stiftsdamen in Thorn und Essen waren mit ihr verwandt – herausgestellt werden.

Veranstalter: Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e.V.

Veranstaltungsort:
Haus der Essener Geschichte / Stadtarchiv
Ernst-Schmidt-Platz 1, 45128 Essen

Eine Anmeldung ist erforderlich!

Veranstaltungen

Lesung: Vernetzte feministische Zahnbehandlerinnen in Essen

Mittwoch, 7. Oktober 2020, 19.00 Uhr

Lesung mit Ingeborg Boxhammer

‚Herrin ihrer selbst‘: Zahnkunst, Wahlrecht und Vegetarismus – Ingeborg Boxhammer liest aus ihrem Buch über die jüdische Zahnbehandlerin, Frauenrechtlerin und Lebensreformerin Margarete Herz (1872-1947) und ihren Freundinnenkreis. Im Ruhrgebiet, Rheinland und im Harz kämpfte sie bis 1933 für Frauenrechte und gesundes Leben. 1938 konnte sie in die USA fliehen.

Margarete Herz und ihr Freundinnenkreis lebten und arbeiteten von 1902 bis 1906 in Essen und in benachbarten Ruhrgebietsstädten. Aus privaten Dokumenten wissen wir von dem vertrauten familiären Alltag der Frauen. Forscherinnen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte bezeichnen ihre Lebensweise heute als „lesbian-like“.

Ingeborg Boxhammer ist freischaffende Germanistin, Historikerin, Filmkritikerin und Software-Trainerin, außerdem Ko-Redakteurin des mehrsprachigen Online-Portals www.lesbengeschichte.org.

Die Lesung ist die Finissage der Ausstellung Come out, Essen! Ausstellung zur Geschichte lesbisch-schwuler Emanzipation. Die Teilnahme ist nur nach Anmeldung auf www.vhs-essen.de unter der Kursnummer 202.1A026F (entgeltfrei) möglich.

Veranstaltungsort:
Volkshochschule Essen, Hörsaal E 11

Veranstaltungen

Wer die Wahl hat – Äbtissinnenwahl und Konflikt im Reichsstift Essen

Donnerstag, 8. Dezember 2020, 18:00 Uhr

Vortrag von Thorsten Fischer, Universität Duisburg-Essen

Das Recht ihre Äbtissin in freier Wahl selbst bestimmen zu können, wurde dem Stift Essen bereits in ottonischer Zeit verliehen. Nach dem Tode einer Äbtissin kam der Konvent alsbald zusammen, um aus der Mitte der Frauengemeinschaft eine neue Vorsteherin zu erwählen. Im Idealfall sollten aber keinesfalls die besondere adelige Herkunft und der Reichtum der Kandidatinnen oder gar machtpolitische Erwägungen die Abstimmung beeinflussen. Vielmehr sollte die Fähigste unter den Sanctimonialen die Leitung der Gemeinschaft übernehmen.

Dass das Amt einer Äbtissin doch stets auch ein machtpolitischer Faktor in den territorialpolitischen Spannungsfeldern der Region war, zeigt der Vortrag am Beispiel der Reichsabtei Essen. Die wenigen hochadeligen Familien, die ihre Töchter in das Stift sandten, konkurrierten stets um das höchste Amt, dessen Inhaberin sich Fürstäbtissin nennen konnte. Gleich dreimal – 1292-1298, 1426-1428 sowie 1489-1499 – kam es zu Doppelwahlen um die leitende Position im Stift. Kriegerische Konflikte und Einmischung des Papstes waren die Folge.

Veranstalter: Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e.V.

Veranstaltungsort:
Haus der Essener Geschichte / Stadtarchiv
Ernst-Schmidt-Platz 1, 45128 Essen