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Frauen in der chemischen Industrie: Arbeit und Organisation

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gilt die chemische Industrie in Deutschland als ein Wachstumsmotor, der auch Frauen Wege in eine Beschäftigung bot – sowohl als unqualifizierte Kräfte, als auch in regulären Berufen mit höheren Anforderungen. Die neuen Gewerbe verfügten über keine berufsständischen Traditionen, so dass auch für Frauen Chancen gewerkschaftlicher Organisation und Repräsentation bestanden.

Diese Grundthesen sollen im Rahmen der Veranstaltung kritisch überprüft werden. Die Tagung fragt nach der Bedeutung der chemischen Industrie als Motor für die Integration von Frauen in industrielle Erwerbsarbeit und nach weiblichen Erfahrungen von Arbeit und Leben in und mit dieser chemischen Industrie. Die Referate beschreiben die Chancen für Frauen in Gewerkschaften und die Wege ihres Engagements und fragen nach den Potentialen  betrieblicher und gewerkschaftlicher Interessenvertretung von Frauen auch in Bezug auf ein politisches Engagement.

Damit wird die Veranstaltung die Themen Arbeit und Interessenvertretung in den größeren Zusammenhang der Entwicklung weiblicher Rollen und Identitäten einbetten. Dabei werden sowohl strukturelle als auch biografische Zugänge und unterschiedliche Hierarchieebenen und Karrierewege sowohl in den industriellen Betrieben als auch in den Gewerkschaften berücksichtigt.

Dienstag, 10. Oktober
12.00 Uhr: Anreise und Mittagsimbiss
13.00 Uhr: Begrüßung
Andrea Hohmeyer (Evonik Industries AG, Konzernarchiv, Hanau) und Stefan Berger (Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, Bochum)
anschließend: Keynote lecture
“A Union Man’s Wife or Co-worker? Gender Equality and Male Industrial Unions in the North American Wests”, Laurie Mercier (Washington State University, Vancouver)
14.00 Uhr: Arbeit und Leben von Frauen in der chemischen Industrie (vor 1945)
„Weibliche Angestellte in der chemischen Industrie im Ruhrgebiet in der Zwischenkriegszeit“, Anna Horstmann (Ruhr-Universität, Bochum)
„Zur Situation von Zwangsarbeiterinnen bei den Vorgängergesellschaften von Evonik“, Andrea Hohmeyer (Evonik Industries AG, Konzernarchiv, Hanau)
“Female Tobacco Workers and Match Makers: a Case Study of Women’s Representation and Trade Union Militancy in the French Chemical Industry, 1890 – 1914“, Sandra Salin (University of Newcastle)
16.30 Uhr: Pause
17.00 Uhr: Gewerkschaften und politische Repräsentation: Biographische Zugänge
„Gewerkschaft — Frauen — Geschichte: Methodisch erzählen“, Sibylle Plogstedt (Lüchow-Dannenberg)

Mittwoch, 11. Oktober 2017
9.00 Uhr: Betriebliche Repräsentation von Frauen, Strukturen und Chancen weiblicher Repräsentation in Gewerkschaften
„,… mitzuhelfen am Bau des Neuen Deutschland‘. Die NS-Werksfrauengruppen der Vorgängergesellschaften von Evonik“, Doris Eizenhöfer (Evonik Industries AG, Konzernarchiv, Hanau)
„Frauen und Karriere: Stimmt die Chemie in der chemischen Industrie?“, Anja Seng (FOM, Fachhochschule für Ökonomie und Management, Essen)
11.00 Uhr: Pause
11.30 Uhr: Frauen und Unternehmensgeschichte
„Making of ,Die Anilinerinnen‘. Ein Stück Frauengeschichte aus dem Unternehmensarchiv der BASF SE“, Isabella Blank (BASF SE, Unternehmensarchiv, Ludwigshafen)
12.30 Uhr: Mittagsimbiss
13.30 Uhr: Chemikerinnen und weibliche Führungskräfte in der chemischen Industrie
„Weibliche Führungskräfte bei Roche in den 1920er/1930er Jahren“, Alexander Bieri (Hoffmann-La Roche AG, Historisches Archiv, Basel)
„Zur Situation von Chemikerinnen bei den Vorgängergesellschaften von Evonik“, Ralf Peters (Evonik Industries AG, Konzernarchiv, Marl)
15.30 Uhr: Abschlussdiskussion und Ende der Veranstaltung

Eröffnung der Ausstellung „VerSIErt. Frauen machen Geschichte bei Evonik
am 10. Oktober um 18.00 Uhr
Am 6. Juni 1906 wurde mit Else Aldendorf bei Th. Goldschmidt in Essen, einer der Vorgängergesellschaften von Evonik, erstmals eine Frau angestellt. Wie Frauen seitdem bei Evonik und den Vorgängergesellschaften Karriere gemacht haben, zeigt die Ausstellung „VerSIErt“, die vom 10. Oktober bis zum 9. November 2017 im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets zu sehen ist. Evonik ist das erste Chemieunternehmen im deutschsprachigen Raum, das sich in einer Ausstellung intensiv mit der Entwicklung der Beschäftigung von Frauen im eigenen Unternehmen auseinandersetzt und die historischen Hintergründe aufzeigt.
Begrüßung: Stefan Berger, Direktor des Instituts für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität, Bochum
Grußwort: Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Evonik Industries AG, Essen
Einführung in die Ausstellung: Andrea Hohmeyer, Leiterin Konzernarchiv der Evonik Industries AG, Hanau
Anschließend: Rundgang durch die Ausstellung und Empfang

Anmeldung:
Um Anmeldung zur Tagung wird bis zum 30.09.2017 gebeten, elektronisch an folgende Adresse: Anmeldung.chemind@stiftung-bdr.de

Veranstaltungsort:
Haus der Geschichte des Ruhrgebiets (HGR)
Clemensstraße 17-19, 44789 Bochum
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 09:00-18:00 Uhr
www.rub.de/isb