frauen/ruhr/geschichte versteht sich als Vernetzungsmedium. Hier werden die Veranstaltungen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ruhrgebiets angezeigt und archiviert, die im „News-Ticker“ auf der Startseite erscheinen.

Veranstaltungen

Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation

Ausstellung zur Geschichte lesbisch-schwuler Emanzipation
bis 6. August 2022

Gleichgeschlechtliche Paare können heute in Deutschland heiraten. Manche Minister*innen oder Oberbürgermeister*innen bekennen sich offen als schwul oder lesbisch. In Essen setzt sich seit einigen Jahren eine städtische Koordinierungsstelle für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Akzeptanz und Gleichstellung ein. Solchen und weiteren Erfolgen ist ein langer Kampf lesbischer und schwuler Initiativen vorausgegangen – in Essen, im Ruhrgebiet und deutschlandweit. Eine Ausstellung zeichnet nun die Geschichte dieser Emanzipation seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den Gerüchten um Friedrich Alfred Krupps Homosexualität zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Verabschiedung eines ersten Handlungsprogramms gegen die Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen im Jahr 1999 im Essener Stadtrat und blickt abschließend auf die Erfolge lesbisch-schwuler Emanzipation der letzten Jahre. „Vor allem in Zeiten gesellschaftlichen Aufbruchs wie zu Beginn der Weimarer Republik oder als Folge der 68er-Bewegung sind lesbische Frauen und schwule Männer für ihre Rechte eingetreten, haben für Anerkennung und gegen Diskriminierung gekämpft“, sagt Wolfgang D. Berude, Initiator der Ausstellung. „Wir zeigen dies an vielen Beispielen aus Essen und auch anderen Ruhrgebietsstädten.“ Berude, einer der Mitbegründer des Forums Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.) und des Arbeitskreises schwule Geschichte, recherchiert seit Jahrzehnten zu diesem Thema und hat sehr viel Material zu der Ausstellung beigesteuert.

Die Ausstellung blickt auch auf die Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus. Die Nazis verschärfen den § 175 im Jahr 1935, und im Rahmen einer Gestapo-„Aktion gegen Homosexuelle“ werden ab 1936 viele Männer aus Essen und Umgebung verhaftet, teilweise von Gerichten verurteilt und oft anschließend in Konzentrationslagern interniert. Viele überleben dies nicht. Und auch nach 1945 bleibt Sex zwischen Männern strafbar, der § 175 wird erst 1969 liberalisiert und 1994 ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

„Schwule und Lesben haben viel Mut gebraucht, einer in weiten Teilen homophoben Stimmung in der Gesellschaft, einem traditionell-bürgerlichen Rollenbild der Geschlechter und dem Strafgesetz zu trotzen. Viele haben es dennoch gewagt – die einen in Form individueller Lebensentwürfe, die anderen gemeinsam und öffentlich“, sagt der Historiker Stefan Nies, der die Ausstellung im Auftrag der Stiftung Ruhr Museum kuratiert hat.

Eine eigene Installation verweist auf die Situation lesbischer Frauen in den 1950er- und 60er-Jahren, die besonders unter der weiblichen Rollenzuweisung als Ehefrau und Mutter leiden. „Die Strategie der meisten lesbischen Frauen, mit dieser bundesdeutschen Realität der 1950er- und 60er-Jahre umzugehen, ist es – so wird vermutet – unauffällig zu sein. Nicht selten werden Tarnehen und heterosexuelle Scheinehen zwischen Schwulen und Lesben geschlossen, um sich gesellschaftlicher Diskriminierung zu entziehen“, stellt die Bildungswissenschaftlerin Dr. Bettina Waffner mit Blick auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse fest. Waffner gehört zu dem ehrenamtlichen Projektteam, das die Ausstellung gemeinsam mit dem Kurator Stefan Nies und Initiator Wolfgang D. Berude erarbeitet hat. Mitgewirkt darin haben zudem Dietrich Dettmann vom Magazin fresh, Markus Laubrock von der Aidshilfe, der Fotograf Moritz Leick, Michael Kleine-Möllhoff, der 1984 der erste offen schwule Ratsherr in Essen war, Friederike Ninnemann und Sabine Weinem von Frauen-Liebe im Pott – Flip e. V. sowie Sebastian Stute von der Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen LSBTI* der Stadt Essen. Der Historiker Dr. Frank Ahland aus Dortmund stand dem Projekt als wissenschaftlicher Berater zur Seite.

„Wenn wir nur über die Grenze in unser EU-Nachbarland Polen schauen, wo LSBTI* offen diskriminiert und einige Städte sich zynisch als ‚LSBTI-frei‘ bezeichnen oder nach Ungarn, wo die Rechte von Trans*menschen kürzlich stark eingeschränkt wurden, können wir stolz auf das sein, was bei uns alles erreicht wurde. Trotzdem gibt es noch viel zu tun“, sagt Sebastian Stute von der Koordinierungsstelle. „So wird auch heute noch Homosexualität im Sport oder in der Arbeitswelt teils tabuisiert, Trans*menschen werden immer noch pathologisiert, und es gibt immer noch Eltern, die ihre nicht-heterosexuellen Kinder in Therapie schicken. Gleichberechtigung muss erkämpft werden – immer noch und immer wieder.“

Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation
Ausstellung aus 22 Rollups und einer Installation

Ausstellungsorte:

• 3. August bis 12. August 2020:
Rathaus Essen, Foyer, Porscheplatz 1, 45121 Essen (Eingang durch Haupteingang neben Rathausgalerie), Öffnungszeiten Ausstellung: Mo–Do 7.00–16.00 Uhr, Fr 7.00–15.00 Uhr
• 27. August bis 8. Oktober 2020:
Volkshochschule Essen, Ausstellungsfoyer 2. Etage, Burgplatz 1, 45127 Essen
Öffnungszeiten Ausstellung: Mo–Fr. 9.00–21.00 Uhr, Sa./So., 26./27. Sept., 9.00–18.00 Uhr
• ab 17. Mai 2022
Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv, Foyer, Ernst-Schmidt-Platz 1, 45128 Essen,
Öffnungszeiten Ausstellung: Mo, Di, Mi 9.00–15:30 Uhr, Do 9.00–18.00 Uhr, Fr 9.00–13.00 Uhr

Begleitpublikation
Zur Ausstellung ist erschienen: Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation, Essen 2020
Erhältlich nach Einsendung eines frankierten und adressierten Rückumschlags nach vorheriger Anfrage bei: Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen LSBTI* der Stadt Essen, sebastian.stute@gleichstellungsstelle.essen.de

Eine Ausstellung der Aidshilfe Essen e. V., Arbeitskreis Schwule Geschichte, und des Ruhr Museums in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen LSBTI* der Stadt Essen, dem Forum Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.) und Frauen-Liebe im Pott – Flip e. V. Schirmherr: Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen.

Veranstaltungsprogramm hier.

 

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Eva und Edith Samuel: Pionierinnen des israelischen Kunsthandwerks

Ausstellung bis 26. Juni 2022

Eva (1904-1989) und Edith (1907-1964) Samuel waren Töchter des ersten Rabbiners der Essener jüdischen Gemeinde, Dr. Salomon Samuel, und seiner Frau Anna, geb. Friedländer. Ihre Mutter, die selbst malte, erkannte früh das Interesse ihrer Töchter an Kunst und besuchte mit ihnen sämtliche Kunstausstellungen in Essen, darunter auch das spätere Museum Folkwang.

Beide Töchter studierten nach ihrem Schulabschluss an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule. Eva Samuel lernte in Worpswede die Ideen der damals neuen Bauhaus-Bewegung kennen, die Kunst und Handwerk wieder zusammenführen wollte. Bald entschloss sie sich, Keramikerin zu werden und arbeitete unter anderem in der Werkstatt von Will Lammert auf der Margarethenhöhe. 1932 emigrierte sie nach Palästina, wo sie eine eigene Werkstatt eröffnete. Sie war die erste Jüdin, die künstlerische Keramik im neu entstehenden Staat Israel herstellte. In ihrer Arbeit ließ sie sich von der antiken Keramik der Region, aber auch von ihrer Umgebung, von Menschen, Tieren und Landschaften inspirieren.

Edith Samuel unterrichtete nach ihrem Studium als Werklehrerin in Schulen und im jüdischen Kinderhort in Essen. Nachdem sie 1933 als Jüdin aus dem Schuldienst entlassen wurde, zog sie zu ihren Eltern, die seit Ende 1932 in Berlin lebten. Dort wurde sie schnell bekannt als Puppenmacherin und Illustratorin. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs gelang es ihr, nach Palästina zu entkommen, wo sie zunächst Werbebroschüren und Papierspielzeug herstellte, sich aber bald ganz auf die Puppenherstellung konzentrieren konnte. Ihre Puppen, die sie oft nach dem Vorbild echte Kinder oder Szenen aus der Umgebung gestaltete, galten schon bald als „Ikonen des jungen Staates Israel“.

Eine lebenslange Freundin der Familie Samuel war Else Schubert-Christaller (1891-1982), die Tochter eines Pfarrers und einer Schriftstellerin, die zeitweise in Essen wohnte. Ihre Enkelin überließ der Alten Synagoge in den letzten Jahren zahlreiche Unterlagen, darunter hunderte von Briefen, hebräische Bücher, Fotos und Zeichnungen von Eva und Edith Samuel. Einen Teil dieser Zeichnungen möchten wir erstmals in einer kleinen Ausstellung vorstellen.

Veranstaltungsort
ALTE SYNAGOGE
Edmund-Körner-Platz 1, 45127 Essen

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Vortrag: Frauen und Männer im Krieg. Europäische Erfahrungsgeschichten

Vortrag: Prof. Dr. Maren Röger, Universität Augsburg / Bukowina-Institut
Moderation: Dr. Andrea Genest, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg/H.

Der Zweite Weltkrieg veränderte den Alltag der europäischen Bevölkerungen tiefgreifend. Millionen Frauen übernahmen weitere Rollen, sei es aus ökonomischem Zwang, aus Interesse an erweiterten Handlungsräumen oder politischem Willen. Sie leisteten Hilfsdienste in den Armeen oder kämpften mit der Waffe, auch in Partisanenbewegungen. Millionen Männer wurden in die kämpfenden Armeen eingezogen, wo spezifische Männlichkeitskulturen gepflegt wurden.

In ihrem Vortrag gab Maren Röger am Dienstag, 23. November 2021, einen Überblick über Erfahrungswelten der europäischen Bevölkerungen mit einem besonderen Fokus auf veränderten Geschlechterrollen sowie Erfahrungen sexualisierter Gewalt, die Frauen in unterschiedlichen Ländern machten.

Die Teilnahme wurde aufgezeichnet und kann abgerufen werden unter https://www.topographie.de/livestream/.

Vortragsreihe „Alltag unter deutscher Besatzung in Europa 1939–1945”, in Kooperation von Topographie des Terrors mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, konzipiert mit Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer, Historisches Seminar, Bergische Universität Wuppertal.

 

 

 

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Dortmund will Helene Wessel ein Denkmal setzen

Ausschreibung: Denkmal für Helene Wessel – Eine der vier Mütter des Grundgesetzes

Helene Wessel war eine von nur vier Frauen, die als Mitglieder des Parlamentarischen Rates im Jahr 1949 an der Erstellung unseres Grundgesetzes mitgewirkt haben.

Helene Wessel war zeitlebens eine überzeugte Pazifistin und kämpferische Demokratin, sie war eine kritische Stimme der Vernunft in der noch jungen Bundesrepublik und ist so noch heute Vorbild für unsere Gesellschaft in einer Zeit der Politikverdrossenheit und immer stärkeren Demokratie-Gefährdung. Das Denkmal soll so zum einen an die historischen Leistungen einer beeindruckenden Frau erinnern, gleichzeitig aber auch Mahnung in unserer heutigen Zeit sein.

Das Kunstwerk wird auf einer Wiese im Dortmunder Zentrum, dem Dortmunder Stadtgarten, aufgestellt werden. Der Standort befindet sich in unmittelbarer Umgebung des Dortmunder Rathauses und einer Hauptachse des innerstädtischen Fußgängerverkehrs. Die Mischung aus Parkanlage, politischem Zentrum und großen Besucherströmen bilden hier ein stimmiges und adäquates Ensemble für das Denkmal. Das Kunstwerk soll symbolhaft auf das Leben und Wirken von Helene Wessel hinweisen und in das bereits bestehende Arrangement des Stadtgartens integriert werden. Eine Verbindung zum bereits bestehenden Wegesystem ist wünschenswert.

Künstlerinnen und Künstler hatten die Möglichkeit im Rahmen dieser Ausschreibung, ihre Ideen für ein thematisch bezogenes Kunstwerk einzureichen. Letzter Abgabetermin der Bewerbung war der 15. Oktober 2021.

Weitere Informationen hier.

 

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Neuerscheinung: Das Patriarchat der Dinge

Rebekka Endler: Das Patriarchat der Dinge. Warum die Welt Frauen nicht passt, Dumont Verlag, Köln 2021, 336 Seiten, ISBN 978-3-8321-8136-9, 22,00 €

WIE FÜR MÄNNER GEMACHTES DESIGN UNSER LEBEN BESTIMMT

Unsere Umwelt wurde von Männern für Männer gestaltet. In ›Das Patriarchat der Dinge‹ öffnet Rebekka Endler uns die Augen für das am Mann ausgerichtete Design, das uns überall umgibt. Und sie zeigt, welche mitunter lebensgefährlichen Folgen es für Frauen hat. Unsere westliche Medizin ist beispielsweise – mit Ausnahme der Gynäkologie – auf den Mann geeicht: von Diagnoseverfahren und medizinischen Geräten bis hin zur Dosierung von Medikamenten. Aber auch die Dummys für Crashtests haben den männlichen Körper zum Vorbild – und damit das ganze Auto samt Airbags und Sicherheitsgurten. Der öffentliche Raum ist ebenso für Männer gemacht: Architektur, Infrastruktur und Transport, sogar die Anzahl öffentlicher Toiletten oder die Einstellung der Temperatur in Gebäuden.

Wer überlebt einen Herzinfarkt? Wer friert am Arbeitsplatz und für wen ist er gestaltet? Für wen sind technische Geräte leicht zu bedienen? Für wen ist das Internet? Das Patriarchat ist Urheber und Designer unserer Umwelt. Wenn wir uns das bewusst machen, erscheinen diese Fragen plötzlich in einem neuen Licht.

Leseprobe

 

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Künstlerische Recherche-Residenz zu Fasia Jansen: Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz

Nach einem Juryentscheid am 30. Juli 2020 sind Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz vom Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln und Interkultur Ruhr zu einer zweimonatigen Recherche-Residenz eingeladen worden. Die Ergebnisse aus ihrer Beschäftigung mit der verstorbenen Aktivistin und Liedermacherin Fasia Jansen aus Oberhausen werden im Frühjahr 2021 im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals in Dortmund präsentiert.

Die Kunst- und Kulturproduzentinnen Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz werden mit einer Schwarzpositionierten künstlerisch-kulturhistorischen Recherche Fasia Jansens Leben und Wirken in Zusammenhängen der regionalen, aber auch der globalen Schwarzen Bewegung untersuchen. “Der Großteil der bereits entstandenen Recherchen, Bücher, Filme und Archive zu Fasia Jansen wurde von weißen Autor*innen verfasst und gesammelt. Dies spiegelt sich in dem Diskurs um Fasia Jansen wider: So wird beispielsweise nur beiläufig auf das bis jetzt wenig recherchierte Netzwerk Schwarzer Akteur*innen, das sie im Ruhrgebiet, aber auch international umgab, eingegangen,” heißt es in ihrem Bewerbungsschreiben. „Als Schwarze deutsche Kunstschaffende und Aktivistin nimmt Fasia Jansen, die sich weltweit insbesondere für Frauenrechte und Frieden eingesetzt hat, eine einzigartige Position in der Geschichte des Ruhrgebiets und Deutschlands ein.“

“Wir sind froh, mit Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz Residentinnen gefunden zu haben, die sich als kritische Erbinnengemeinschaft verstehen. Sie wollen bisher unsichtbare soziopolitische Einbindungen von Fasia Jansen untersuchen und ihre Geschichte auf selbststärkende Potentiale für Schwarze Bewegungen des heutigen Ruhrgebiets hin untersuchen”, so die fünfköpfige Jury, bestehend aus Betty Schiel (IFFF Dortmund | Köln), Ella Steinmann (Theater Oberhausen), Eva Busch (atelier automatique), Maxa Zoller (IFFF Dortmund | Köln), Johanna-Yasirra Kluhs (Interkultur Ruhr).

Über die Residentinnen:

Princela Biyaa lebt seit über 8 Jahren im Ruhrgebiet. Wichtige Schritte zur Unterstützung der Sichtbarmachung Schwarzer Perspektiven, dem Diskurs deutscher kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart im Ruhrgebiet waren für sie die Mitbegründung der PoC Gruppe Bochum/Dortmund und des Postkolonialen Lesekreises der PoC AG an der TU Dortmund. Neben ihrem Engagement und Forschungen im akademischen Kontext ist sie seit mehreren Jahren im aktuellen Diskurs um die Anerkennung postmigrantischer Perspektiven und (Mehrfach)Zugehörigkeiten aktiv. Diesbezüglich ist sie in verschiedenen sozialen Projekten tätig, wie z.B. Projekt Ankommen e.V. und Familienzukunft. Derzeit konzipiert sie eine Workshopreihe zum Thema „Self Care and Community Care” für den vkii und arbeitet als Kuratorin an dem Projekt “Du denkst, du kennst Dortmund” (Arbeitstitel), welches lokalen Kunst- und Kulturschaffenden Akteur*innen der Nordstadt Gehör und Sichtbarkeit geben wird. Ab Juli 2020 arbeitet sie als Bildungsreferentin des Kompetenzzentrums Anti-Schwarzer Rassismus bei Each One Teach One e.V..

Marny Garcia Mommertz hat 2018 in Den Haag den Verein Afro Student Association mitgegründet, um mit internationalen Schwarzen Studierenden eine geschütztere Plattform des Austausches zu bilden und sich für positive Selbstrepräsentation von und für Schwarze im Stadtbild einzusetzen. Durch längere Aufenthalte in der Karibik, Südamerika, Nordamerika, Europa und Westafrika hat sie ein sich ständig erweiterndes globales Verständnis von Schwarzsein. So absolvierte sie zum Beispiel ein Praktikum bei der Bürger*innenrechtsbewegung Y’En A Marre in Dakar (Senegal) mit den Zielen, Strategien der Mobilisierung Schwarzer Menschen kennenzulernen und ihr Netzwerk zu erweitern. Als freie Mitarbeiterin am Goethe-Institut Salvador-Bahia betreute und unterstütze sie u.a. internationale Kunstschaffende der Künstler*innenresidenz Vila Sul. Durch die Arbeit mit internationalen Schwarzen Kunstschaffenden im Kontext der Stadt Salvador hat sie tiefe Einblicke in verschiedene Praktiken erworben, bei denen Selbstrepräsentation oder Aktivismus mit Kunst verwoben sind. Seit Januar 2020 arbeitet sie als kuratorische Assistenz beim Hartware MedienKunstVerein e.V. in Dortmund.

Beide Residentinnen sind Mitbegründerinnen der Association of Black Arti_ists, die die Selbstrepräsentation von Schwarzer Kunst und Künstler*innen in Europa stärken möchte.

www.interkultur.ruhr/kalender/juryentscheid-zur-kuenstlerischen-recherche-residenz-fasia-jansen