frauen/ruhr/geschichte versteht sich als Vernetzungsmedium. Hier werden die Veranstaltungen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ruhrgebiets angezeigt und archiviert, die im „News-Ticker“ auf der Startseite erscheinen.

Veranstaltungen

Film: „Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf“, 08.12.21

Noch bis Ende Januar 2022 ist im LWL-Industriemuseum Henrichshütte die Sonderausstellung „Geister“ zur Fraueninitiative der Henrichshütte zu sehen. Begleitend zur Ausstellung wird am 8.12. der Film „Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf“ von Edith Schmidt und David Wittenberg gezeigt.

Programm

// 18 Uhr
Führung durch die Sonderausstellung „Geister – Die Fraueninitiative Henrichshütte“ mit Künstler:in Kathrin Ebmeier

// 19 Uhr
Filmvorführung „Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf“ (1974/75, 49 Min.) mit einer Einführung von Filmkuratorin, Dozentin und Diversity Managerin Aurora Rodonò

Zum Film „Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf“ ein Text von Aurora Rodonò: 13. August 1973: Weil sie trotz harter Akkordarbeit nach der untersten Lohngruppe 2 bezahlt werden (4,70 DM pro Stunde), starten die migrantischen Arbeiterinnen bei der Firma Pierburg, dem damals größten Vergaserhersteller für Kraftfahrzeuge und Flugzeuge in Neuss/NRW, für fünf Tage einen „wilden Streik“. Von den insgesamt 3800 Beschäftigten sind 70 Prozent Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, davon in der Mehrzahl Frauen. Die Arbeitsmigrantinnen demonstrieren gegen die unterschiedliche Bezahlung von Männer und Frauen, fordern „Eine Mark mehr“ und treten insgesamt für bessere Wohn- und Arbeitsbedingungen ein. Nach und nach schließen sich die deutschen Kolleg:innen an, und das Pierburg-Gelände erlangt zuweilen Festcharakter. Erst als klar wird, dass die Streikenden dabei sind, die gesamte deutsche Automobilindustrie lahmzulegen, kommt es zu ernsthaften Verhandlungen zwischen Belegschaft und Werksleitung: die Leichtlohngruppe 2 wird abgeschafft, der Lohn erhöht.
Der Kompilationsfilm „Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf“ dokumentiert den Streik. Die Filmemacher:innen Edith Schmidt und David Wittenberg haben das Material, das während des Streiks von unterschiedlichen Akteur:innen vor Ort gedreht wurde, in Absprache mit den Streikenden montiert und mit eigenen Filmaufnahmen ergänzt. Der Film lief auf zahlreichen Solidaritätsveranstaltungen und diente der Belegschaft und dem Betriebsrat für die Öffentlichkeitsarbeit. Im Fernsehen wurde er nie gezeigt und geriet zunächst in Vergessenheit.

Veranstaltungsort
Henrichshütte Hattingen
LWL-Industriemuseum
Werksstr. 25, 45527 Hattingen

Veranstaltungen

Online-Kolloquium WiSe 2021/22: Geschichte der Frühen Neuzeit und Geschlechtergeschichte

Im diesem Wintersemester veranstaltet der Lehrstuhl für Frühe Neuzeit und Geschlechtergeschichte von Prof. Dr. Maren Lorenz an der Ruhr-Universität Bochum ein digitales Kolloquium. Vorgestellt werden hier laufende Forschungsprojekte aus dem Bereich der frühneuzeitlichen Geschichte. Alle Interessent:innen sind herzlich einladen. Für die Teilnahme ist keine gesonderte Anmeldung notwendig.

Bitte achten Sie darauf, dass Sie sich bei Zoom mit Ihrem vollständigen Namen anmelden. Sie haben die Möglichkeit, an allen oder auch nur an einzelnen Vorträgen teilzunehmen.

Alle Vorträge finden dienstags um 18 Uhr ct via Zoom statt. Die Einwahl erfolgt jeweils unter https://zoom.us/j/95354991938?pwd=cDRlSVdSYThsQVpMdmpnY2U0YVQyQT09

Di, 26.10.2021
Jana Schreiber (Marburg)
„[…] daß viller balbire ihrer artzneyt gebraucht hab.  Hat alles nichts geholfen“ – Heilkundige Frauen im frühneuzeitlichen Frankfurt

Di, 09.11.2021
Maximilian Krogoll (Bayreuth)
Körper und Gebrechen im 18. Jahrhundert – Das Beispiel J.H.S. Formey

Di, 23.11.2021
Lisa-Marie Bergann (Bonn)
„A Madame la Comtesse regente de la Lippe…“. Weibliche Herrschaft in der Grafschaft Lippe

Di, 07.12.2021
Katharina Schmees (Oldenburg)
Märtyrerin und Monster? Zur Stigmatisierung kinderloser Frauen im 18. Jahrhundert

Di, 21.12.2021
Timo Bülters (Bonn)
Wenn Nonnen heilen – Heilkunde in den Lüneburger Frauenklöstern (15./16. Jahrhundert)

Di, 11.01.2022
Lara Luisa Schott-Storch de Gracia (Mainz)
„Gott sei Dank, daß Ihre Gesundheit […] gut ist!“ – Medizinhistorische Perspektiven auf weibliche Körper in frühneuzeitlichen Höfen

 

 

Veranstaltungen

Vortrag: Frauen und Männer im Krieg. Europäische Erfahrungsgeschichten

Vortrag: Prof. Dr. Maren Röger, Universität Augsburg / Bukowina-Institut
Moderation: Dr. Andrea Genest, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg/H.

Der Zweite Weltkrieg veränderte den Alltag der europäischen Bevölkerungen tiefgreifend. Millionen Frauen übernahmen weitere Rollen, sei es aus ökonomischem Zwang, aus Interesse an erweiterten Handlungsräumen oder politischem Willen. Sie leisteten Hilfsdienste in den Armeen oder kämpften mit der Waffe, auch in Partisanenbewegungen. Millionen Männer wurden in die kämpfenden Armeen eingezogen, wo spezifische Männlichkeitskulturen gepflegt wurden.

In ihrem Vortrag gab Maren Röger am Dienstag, 23. November 2021, einen Überblick über Erfahrungswelten der europäischen Bevölkerungen mit einem besonderen Fokus auf veränderten Geschlechterrollen sowie Erfahrungen sexualisierter Gewalt, die Frauen in unterschiedlichen Ländern machten.

Die Teilnahme wurde aufgezeichnet und kann abgerufen werden unter https://www.topographie.de/livestream/.

Vortragsreihe „Alltag unter deutscher Besatzung in Europa 1939–1945”, in Kooperation von Topographie des Terrors mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, konzipiert mit Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer, Historisches Seminar, Bergische Universität Wuppertal.

 

 

 

Veranstaltungen

MUTIG | HEILIG | SELBSTBEWUSST

Sonderausstellung zu den „Superheldinnen des Mittelalters“ im Essener Domschatz und der Schatzkammer Werden
bis 8. Dezember 2021

Mutig und selbstbewusst – bei diesen Worten denkt man nicht zuerst an heilige Frauen im Mittelalter. Doch die Sonderausstellung MUTIG | HEILIG | SELBSTBEWUSST im Essener Domschatz und der Schatzkammer Werden zeigt genau diese Frauen. Heilige Frauen, die „Superheldinnen des Mittelalters“, standen für ihre Lebensweise und ihren Glauben ein. Sie waren wortgewandt, unbeugsam, durchaus abenteuerlustig und klug. Und sie waren Inspirationsquelle für die Essener Stiftsfrauen und alle Gläubigen rund um das Essener Stift und das Werdener Kloster.

Die Sonderausstellung zeigt vom 28. August bis zum 8. Dezember 2021 die ganze Vielfalt heiliger Frauen: Darunter sind Heilige wie die Gottesmutter Maria und die heilige Getrud bis hin zu heute nahezu vergessenen Frauen wie Pinnosa oder Scholastika. Dabei steht ihre Bedeutung für das Frauenstift und für das Kloster Werden im Zentrum. Und die Ausstellung fragt nach: Wer waren Heilige und welche Bedeutung haben sie heute noch?

Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm des Essener Domschatzes sowie einer Filmreihe zu starken Frauen in Kooperation mit der Lichtburg.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und dem Kinoprogramm entnehmen Sie bitte den Webseiten der beiden Schatzkammern – domschatz-essen.de und schatzkammer-werden.de – sowie dem Programm der Lichtburg Essen filmspiegel-essen.de.

Besucherinnen haben an ihrem Namenstag freien Eintritt.

Veranstaltungen

Geister – Eine Ausstellung zur Fraueninitiative der Henrichshütte

bis 30. Januar 2022

„Macht Thyssen uns die Hütte platt, wird Hattingen zur Geisterstadt.“ 1987 skandierte dies die Fraueninitiative Henrichshütte, als sie in Geisterkostümen gegen die Schließung des Hattinger Stahlwerks protestierte. Die Performancekünstlerin und Aktivistin Kathrin Ebmeier spürte in den vergangenen Monaten gemeinsam mit der Historikerin Alicia Gorny, der Künstlerin Ale Bachlechner und weiteren Beteiligten die Hattinger „Geister“ auf.

Das Ergebnis des Projektes, das in Kooperation mit dem LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen entstand, ist in der Ausstellung Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten in der Akademie der Künste der Welt in Köln zu sehen (aktuell aufgrund Corona geschlossen). Die Installation „Geister“ als ein Teil der Schau gibt einen Einblick in die bisherigen Begegnungen, vermittelt aber auch die Geschichte der Fraueninitiative Henrichshütte.

Die Fraueninitiative in Hattingen bestand aus Angestellten der Henrichshütte, deren Angehörigen und Mitkämpfer*innen, für die die Schließung der Hütte die Bedrohung der eigenen Existenz darstellte. Viele von ihnen traten erstmals mit politischen Aktionen in eine Öffentlichkeit. Die Aussage „So bin ich dann da reingewachsen im Grunde, so wie ganz viele andere Frauen auch“ ist exemplarisch und daher der Titel einer Audiocollage, die ältere und jüngere Erzählungen der Frauen verwebt. Zuhören wird hier zu intergenerationaler Erinnerungsarbeit.

Ähnliche Formierungen gab es an vielen Produktionsstandorten innerhalb und außerhalb des Ruhrgebiets. Sie standen über Netzwerke in Kontakt, tauschten Wissen über Strategien und Positionen aus und unterstützten einander. Als Teil der künstlerischen Arbeit entstand daher ein Plakat, das den Kampf der Fraueninitiative Henrichshütte in eine Historie einfügt, deren Erforschung derzeit noch ein Desiderat darstellt: die Aktivitäten von Frauen in (betrieblichen) Arbeitskämpfen im Ruhrgebiet.

Die performative Strategie der Geisterdemo von 1987 war eine kreative Intervention sowohl im öffentlichen Raum, als auch in männlich-gewerkschaftlich dominierte Protestformen und erzeugte kurzzeitig große Aufmerksamkeit. 2020 wollten sich die Geister von damals jedoch nicht erneut in Bettlaken hüllen. Stattdessen organisierten sie gemeinsam einen Aktionstag in der Hattinger Innenstadt, bei dem sie auf ihre ehmaligen Aktivitäten aufmerksam machten und damalige Themen in die Gegenwart transferierten. In der Ausstellung ist die Dokumentation dieses Aktionstags zu sehen. Mitten im Einkaufsgetümmel, an einem der Orte des damaligen Protests, zeigt sich Aktivismus als Hand- und Beziehungsarbeit. Darüber legt sich eine mit Augmented-Reality-Technik umgesetzte Geisterbeschwörung, die zugleich in die Zukunft weist: „Es wird so gewesen sein.“

Kontakt für Informationen, Hinweise zu weiteren Fraueninitiativen im Ruhrgebiet oder zu Vernetzungszwecken: fraueninitiativen-ruhrgebiet@lwl.org.

Veranstaltungsort:
LWL-Industriemuseum Henrichshütte
Werksstraße 31-33, 45527 Hattingen

Veranstaltungen

Von Schnittmustern, Nähmaschinen und Plätteisen

Frauen in der Bekleidungsindustrie in Recklinghausen

Ausstellung vom 17. Februar bis zum 29. April 2022

Seit mehr als zehn Jahren untersucht der Arbeitskreis Recklinghäuser Frauengeschichte Lebens- und Arbeitserfahrungen von Frauen in Recklinghausen. In den letzten Jahren haben wir uns vor allen Dingen mit der Bekleidungsindustrie in Recklinghausen und den dort arbeitenden Frauen befasst. Herausgekommen ist eine Ausstellung mit vielen Geschichten zu einem wichtigen Arbeitsbereich Recklinghäuser Frauen in der Nachkriegszeit.

In Recklinghausen hatten sich unmittelbar nach Kriegsende mehrere Textilbetriebe und Bekleidungsunternehmen angesiedelt, u.a. die Münsterländische Textil GmbH (später Condor), die Povel KG, die Herrenhemdenfabrik Derby (später Turf) und die Firma Laarmann. Im nördlichen Ruhrgebiet war die Bekleidungsindustrie in der Zeit nach dem Zweiten Welt-krieg einer der wichtigsten Arbeitgeber für Frauen. Anfang der 1970er Jahre entsprach der Jahresumsatz von sechs Unternehmen dieser Branche in Höhe von 50 Mio. DM einem Fünftel der gesamten Recklinghäuser Industrie (ohne Bergbau und Bauindustrie). Auf dem Höhepunkt der Konjunktur in dieser Branche waren mehr als 2.000 Menschen dort beschäftig, davon ca. 80 % Frauen. Damit war die Bekleidungsindustrie einer der wichtigsten Arbeitgeber für Frauen in Recklinghausen.

Die Geschichte dieser Industrie und ihre Bedeutung als Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte für Mädchen und Frauen in Recklinghausen wurden bisher nicht aufgearbeitet. Man könnte auch von ‚vergessenen Frauenarbeitsplätzen‘ sprechen.

Mit Unterstützung durch die Recklinghäuser Zeitung konnten Zeitzeuginnen gefunden wer-den, die in diesen Betrieben gearbeitet haben und z.T. dort auch ausgebildet worden sind. Zahlreiche dieser Zeitzeuginnen haben unmittelbar in der Nachkriegszeit dort angefangen, d.h. sie sind heute z.T. über 90 Jahre alt. Wenn deren Geschichte jetzt nicht aufbereitet wird, ist sie für immer verloren. Wir konnten mit etlichen dieser Frauen interessante Gespräche führen und haben eine Fülle von Dokumenten (IHK-Zertifikate, Zeugnisse, Fotos und andere Dokumente) von ihnen erhalten.

Unser Ziel ist es, ein bisher nicht erzähltes Kapitel der Recklinghäuser Stadtgeschichte zu präsentieren und den Menschen in Recklinghausen in Erinnerung zu rufen. Darüber hinaus soll es auch eine Würdigung der Lebensleistung der in der Bekleidungsindustrie beschäftig-ten Menschen, insbesondere der Frauen, sein.

Vernissage am 17. Februar 2022
Finnisage am 28. April  2022

Karin Derichs-Kunstmann

Veranstaltungsort:
Institut für Stadtgeschichte
Hohenzollernstr. 12
45659 Recklinghausen

Veranstaltungen

Ausstellung zur Geschichte lesbisch-schwuler Emanzipation

Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation

Gleichgeschlechtliche Paare können heute in Deutschland heiraten. Manche Minister*innen oder Oberbürgermeister*innen bekennen sich offen als schwul oder lesbisch. In Essen setzt sich seit einigen Jahren eine städtische Koordinierungsstelle für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Akzeptanz und Gleichstellung ein. Solchen und weiteren Erfolgen ist ein langer Kampf lesbischer und schwuler Initiativen vorausgegangen – in Essen, im Ruhrgebiet und deutschlandweit. Eine Ausstellung zeichnet nun die Geschichte dieser Emanzipation seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den Gerüchten um Friedrich Alfred Krupps Homosexualität zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Verabschiedung eines ersten Handlungsprogramms gegen die Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen im Jahr 1999 im Essener Stadtrat und blickt abschließend auf die Erfolge lesbisch-schwuler Emanzipation der letzten Jahre. „Vor allem in Zeiten gesellschaftlichen Aufbruchs wie zu Beginn der Weimarer Republik oder als Folge der 68er-Bewegung sind lesbische Frauen und schwule Männer für ihre Rechte eingetreten, haben für Anerkennung und gegen Diskriminierung gekämpft“, sagt Wolfgang D. Berude, Initiator der Ausstellung. „Wir zeigen dies an vielen Beispielen aus Essen und auch anderen Ruhrgebietsstädten.“ Berude, einer der Mitbegründer des Forums Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.) und des Arbeitskreises schwule Geschichte, recherchiert seit Jahrzehnten zu diesem Thema und hat sehr viel Material zu der Ausstellung beigesteuert.

Die Ausstellung blickt auch auf die Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus. Die Nazis verschärfen den § 175 im Jahr 1935, und im Rahmen einer Gestapo-„Aktion gegen Homosexuelle“ werden ab 1936 viele Männer aus Essen und Umgebung verhaftet, teilweise von Gerichten verurteilt und oft anschließend in Konzentrationslagern interniert. Viele überleben dies nicht. Und auch nach 1945 bleibt Sex zwischen Männern strafbar, der § 175 wird erst 1969 liberalisiert und 1994 ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

„Schwule und Lesben haben viel Mut gebraucht, einer in weiten Teilen homophoben Stimmung in der Gesellschaft, einem traditionell-bürgerlichen Rollenbild der Geschlechter und dem Strafgesetz zu trotzen. Viele haben es dennoch gewagt – die einen in Form individueller Lebensentwürfe, die anderen gemeinsam und öffentlich“, sagt der Historiker Stefan Nies, der die Ausstellung im Auftrag der Stiftung Ruhr Museum kuratiert hat.

Eine eigene Installation verweist auf die Situation lesbischer Frauen in den 1950er- und 60er-Jahren, die besonders unter der weiblichen Rollenzuweisung als Ehefrau und Mutter leiden. „Die Strategie der meisten lesbischen Frauen, mit dieser bundesdeutschen Realität der 1950er- und 60er-Jahre umzugehen, ist es – so wird vermutet – unauffällig zu sein. Nicht selten werden Tarnehen und heterosexuelle Scheinehen zwischen Schwulen und Lesben geschlossen, um sich gesellschaftlicher Diskriminierung zu entziehen“, stellt die Bildungswissenschaftlerin Dr. Bettina Waffner mit Blick auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse fest. Waffner gehört zu dem ehrenamtlichen Projektteam, das die Ausstellung gemeinsam mit dem Kurator Stefan Nies und Initiator Wolfgang D. Berude erarbeitet hat. Mitgewirkt darin haben zudem Dietrich Dettmann vom Magazin fresh, Markus Laubrock von der Aidshilfe, der Fotograf Moritz Leick, Michael Kleine-Möllhoff, der 1984 der erste offen schwule Ratsherr in Essen war, Friederike Ninnemann und Sabine Weinem von Frauen-Liebe im Pott – Flip e. V. sowie Sebastian Stute von der Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen LSBTI* der Stadt Essen. Der Historiker Dr. Frank Ahland aus Dortmund stand dem Projekt als wissenschaftlicher Berater zur Seite.

„Wenn wir nur über die Grenze in unser EU-Nachbarland Polen schauen, wo LSBTI* offen diskriminiert und einige Städte sich zynisch als ‚LSBTI-frei‘ bezeichnen oder nach Ungarn, wo die Rechte von Trans*menschen kürzlich stark eingeschränkt wurden, können wir stolz auf das sein, was bei uns alles erreicht wurde. Trotzdem gibt es noch viel zu tun“, sagt Sebastian Stute von der Koordinierungsstelle. „So wird auch heute noch Homosexualität im Sport oder in der Arbeitswelt teils tabuisiert, Trans*menschen werden immer noch pathologisiert, und es gibt immer noch Eltern, die ihre nicht-heterosexuellen Kinder in Therapie schicken. Gleichberechtigung muss erkämpft werden – immer noch und immer wieder.“

Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation
Ausstellung aus 22 Rollups und einer Installation
Ausstellungsorte:
• 3. August bis 12. August 2020:
Rathaus Essen, Foyer, Porscheplatz 1, 45121 Essen (Eingang durch Haupteingang neben Rathausgalerie), Öffnungszeiten Ausstellung: Mo–Do 7.00–16.00 Uhr, Fr 7.00–15.00 Uhr
• 27. August bis 8. Oktober 2020:
Volkshochschule Essen, Ausstellungsfoyer 2. Etage, Burgplatz 1, 45127 Essen
Öffnungszeiten Ausstellung: Mo–Fr. 9.00–21.00 Uhr, Sa./So., 26./27. Sept., 9.00–18.00 Uhr
• ab 17. Mai 2022:
Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv, Foyer, Ernst-Schmidt-Platz 1, 45128 Essen,
Öffnungszeiten Ausstellung: Mo, Di, Mi 9.00–15:30 Uhr, Do 9.00–18.00 Uhr, Fr 9.00–13.00 Uhr

Eine Ausstellung der Aidshilfe Essen e. V., Arbeitskreis Schwule Geschichte, und des Ruhr Museums in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen LSBTI* der Stadt Essen, dem Forum Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.) und Frauen-Liebe im Pott – Flip e. V. Schirmherr: Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen.

Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm und es erscheint ein Begleitbuch zur Ausstellung.
Ausstellung und Begleitbuch wurden ermöglicht durch finanzielle Unterstützung von:
• Stiftung Ruhr Museum
• Stadt Essen, Kulturamt
• Sparkasse Essen, Sparkassenlotterie PS-Sparen und Gewinnen
• Alfred-Krupp-und-Friedrich-Alfred-Krupp-Stiftung
• Hannchen-Mehrzweck-Stiftung für homosexuelle Selbsthilfe

Veranstaltungen

Dortmund will Helene Wessel ein Denkmal setzen

Ausschreibung: Denkmal für Helene Wessel – Eine der vier Mütter des Grundgesetzes

Helene Wessel war eine von nur vier Frauen, die als Mitglieder des Parlamentarischen Rates im Jahr 1949 an der Erstellung unseres Grundgesetzes mitgewirkt haben.

Helene Wessel war zeitlebens eine überzeugte Pazifistin und kämpferische Demokratin, sie war eine kritische Stimme der Vernunft in der noch jungen Bundesrepublik und ist so noch heute Vorbild für unsere Gesellschaft in einer Zeit der Politikverdrossenheit und immer stärkeren Demokratie-Gefährdung. Das Denkmal soll so zum einen an die historischen Leistungen einer beeindruckenden Frau erinnern, gleichzeitig aber auch Mahnung in unserer heutigen Zeit sein.

Das Kunstwerk wird auf einer Wiese im Dortmunder Zentrum, dem Dortmunder Stadtgarten, aufgestellt werden. Der Standort befindet sich in unmittelbarer Umgebung des Dortmunder Rathauses und einer Hauptachse des innerstädtischen Fußgängerverkehrs. Die Mischung aus Parkanlage, politischem Zentrum und großen Besucherströmen bilden hier ein stimmiges und adäquates Ensemble für das Denkmal. Das Kunstwerk soll symbolhaft auf das Leben und Wirken von Helene Wessel hinweisen und in das bereits bestehende Arrangement des Stadtgartens integriert werden. Eine Verbindung zum bereits bestehenden Wegesystem ist wünschenswert.

Künstlerinnen und Künstler haben die Möglichkeit im Rahmen dieser Ausschreibung, ihre Ideen für ein thematisch bezogenes Kunstwerk einzureichen. Ein Ortstermin ist nach Vereinbarung möglich. Eine Jury wird die Entwürfe sichten und den besten Entwurf mit 5.000 €, den zweitbesten mit 2.000 € und den drittbesten mit 500 € prämieren. Für das Kunstwerk stehen maximal 120.000 € zur Verfügung.

Letzter Abgabetermin der Bewerbung war der 15. Oktober 2021.

Weitere Informationen hier.

 

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Neuerscheinung: Das Patriarchat der Dinge

Rebekka Endler: Das Patriarchat der Dinge. Warum die Welt Frauen nicht passt, Dumont Verlag, Köln 2021, 336 Seiten, ISBN 978-3-8321-8136-9, 22,00 €

WIE FÜR MÄNNER GEMACHTES DESIGN UNSER LEBEN BESTIMMT

Unsere Umwelt wurde von Männern für Männer gestaltet. In ›Das Patriarchat der Dinge‹ öffnet Rebekka Endler uns die Augen für das am Mann ausgerichtete Design, das uns überall umgibt. Und sie zeigt, welche mitunter lebensgefährlichen Folgen es für Frauen hat. Unsere westliche Medizin ist beispielsweise – mit Ausnahme der Gynäkologie – auf den Mann geeicht: von Diagnoseverfahren und medizinischen Geräten bis hin zur Dosierung von Medikamenten. Aber auch die Dummys für Crashtests haben den männlichen Körper zum Vorbild – und damit das ganze Auto samt Airbags und Sicherheitsgurten. Der öffentliche Raum ist ebenso für Männer gemacht: Architektur, Infrastruktur und Transport, sogar die Anzahl öffentlicher Toiletten oder die Einstellung der Temperatur in Gebäuden.

Wer überlebt einen Herzinfarkt? Wer friert am Arbeitsplatz und für wen ist er gestaltet? Für wen sind technische Geräte leicht zu bedienen? Für wen ist das Internet? Das Patriarchat ist Urheber und Designer unserer Umwelt. Wenn wir uns das bewusst machen, erscheinen diese Fragen plötzlich in einem neuen Licht.

Leseprobe

 

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Künstlerische Recherche-Residenz zu Fasia Jansen: Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz

Nach einem Juryentscheid am 30. Juli 2020 sind Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz vom Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln und Interkultur Ruhr zu einer zweimonatigen Recherche-Residenz eingeladen worden. Die Ergebnisse aus ihrer Beschäftigung mit der verstorbenen Aktivistin und Liedermacherin Fasia Jansen aus Oberhausen werden im Frühjahr 2021 im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals in Dortmund präsentiert.

Die Kunst- und Kulturproduzentinnen Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz werden mit einer Schwarzpositionierten künstlerisch-kulturhistorischen Recherche Fasia Jansens Leben und Wirken in Zusammenhängen der regionalen, aber auch der globalen Schwarzen Bewegung untersuchen. “Der Großteil der bereits entstandenen Recherchen, Bücher, Filme und Archive zu Fasia Jansen wurde von weißen Autor*innen verfasst und gesammelt. Dies spiegelt sich in dem Diskurs um Fasia Jansen wider: So wird beispielsweise nur beiläufig auf das bis jetzt wenig recherchierte Netzwerk Schwarzer Akteur*innen, das sie im Ruhrgebiet, aber auch international umgab, eingegangen,” heißt es in ihrem Bewerbungsschreiben. „Als Schwarze deutsche Kunstschaffende und Aktivistin nimmt Fasia Jansen, die sich weltweit insbesondere für Frauenrechte und Frieden eingesetzt hat, eine einzigartige Position in der Geschichte des Ruhrgebiets und Deutschlands ein.“

“Wir sind froh, mit Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz Residentinnen gefunden zu haben, die sich als kritische Erbinnengemeinschaft verstehen. Sie wollen bisher unsichtbare soziopolitische Einbindungen von Fasia Jansen untersuchen und ihre Geschichte auf selbststärkende Potentiale für Schwarze Bewegungen des heutigen Ruhrgebiets hin untersuchen”, so die fünfköpfige Jury, bestehend aus Betty Schiel (IFFF Dortmund | Köln), Ella Steinmann (Theater Oberhausen), Eva Busch (atelier automatique), Maxa Zoller (IFFF Dortmund | Köln), Johanna-Yasirra Kluhs (Interkultur Ruhr).

Über die Residentinnen:

Princela Biyaa lebt seit über 8 Jahren im Ruhrgebiet. Wichtige Schritte zur Unterstützung der Sichtbarmachung Schwarzer Perspektiven, dem Diskurs deutscher kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart im Ruhrgebiet waren für sie die Mitbegründung der PoC Gruppe Bochum/Dortmund und des Postkolonialen Lesekreises der PoC AG an der TU Dortmund. Neben ihrem Engagement und Forschungen im akademischen Kontext ist sie seit mehreren Jahren im aktuellen Diskurs um die Anerkennung postmigrantischer Perspektiven und (Mehrfach)Zugehörigkeiten aktiv. Diesbezüglich ist sie in verschiedenen sozialen Projekten tätig, wie z.B. Projekt Ankommen e.V. und Familienzukunft. Derzeit konzipiert sie eine Workshopreihe zum Thema „Self Care and Community Care” für den vkii und arbeitet als Kuratorin an dem Projekt “Du denkst, du kennst Dortmund” (Arbeitstitel), welches lokalen Kunst- und Kulturschaffenden Akteur*innen der Nordstadt Gehör und Sichtbarkeit geben wird. Ab Juli 2020 arbeitet sie als Bildungsreferentin des Kompetenzzentrums Anti-Schwarzer Rassismus bei Each One Teach One e.V..

Marny Garcia Mommertz hat 2018 in Den Haag den Verein Afro Student Association mitgegründet, um mit internationalen Schwarzen Studierenden eine geschütztere Plattform des Austausches zu bilden und sich für positive Selbstrepräsentation von und für Schwarze im Stadtbild einzusetzen. Durch längere Aufenthalte in der Karibik, Südamerika, Nordamerika, Europa und Westafrika hat sie ein sich ständig erweiterndes globales Verständnis von Schwarzsein. So absolvierte sie zum Beispiel ein Praktikum bei der Bürger*innenrechtsbewegung Y’En A Marre in Dakar (Senegal) mit den Zielen, Strategien der Mobilisierung Schwarzer Menschen kennenzulernen und ihr Netzwerk zu erweitern. Als freie Mitarbeiterin am Goethe-Institut Salvador-Bahia betreute und unterstütze sie u.a. internationale Kunstschaffende der Künstler*innenresidenz Vila Sul. Durch die Arbeit mit internationalen Schwarzen Kunstschaffenden im Kontext der Stadt Salvador hat sie tiefe Einblicke in verschiedene Praktiken erworben, bei denen Selbstrepräsentation oder Aktivismus mit Kunst verwoben sind. Seit Januar 2020 arbeitet sie als kuratorische Assistenz beim Hartware MedienKunstVerein e.V. in Dortmund.

Beide Residentinnen sind Mitbegründerinnen der Association of Black Arti_ists, die die Selbstrepräsentation von Schwarzer Kunst und Künstler*innen in Europa stärken möchte.

www.interkultur.ruhr/kalender/juryentscheid-zur-kuenstlerischen-recherche-residenz-fasia-jansen