Margaretha von Strünkede zu Strünkede / 1502-1587

Besitzmanagement des Hauses Strünkede in unruhiger Zeit

Eine der wenigen Frauengestalten der Familie von Strünkede, die dem westfälischen Historiographen Johann Diederich von den Steinen mehr als nur die dürren Worten wert war, derer er gewöhnlich die Frauen des Hauses für würdig erachtete, war Margaretha von Asbeck zu Gohr. Zu verdanken ist dies mutmaßlich dem Umstand, dass ihr Mann Jobst von Strünkede am 29. Mai 1529 einem Mordanschlag zum Opfer fiel und die Geschicke des Hauses Strünkede damit unerwartet in den Händen einer Frau ruhten. 
Die biographischen Notizen zum Leben Margarethas sind spärlich. Am 30. November 1502 kam sie im heutigen Gelsenkirchen-Heßler als siebtes von 18 Kindern des Goddert von Asbeck zu Gohr und der Anna up dem Berghe zu Ripshorst zur Welt. Über ihre Kindheit und Jugend, ihre Erziehung und Ausbildung ist nichts bekannt.
In der Genealogie der Familie von Asbeck gibt es Hinweise auf eine früh geschlossene, jedoch nur kurz währende Ehe mit Johann von Beesten zu Sythen. Gesichert hingegen ist ihre Eheschließung mit Jobst, dem Erben der im heutigen Herner Stadtteil Baukau gelegenen Herrschaft Strünkede, den sie 1524 im Alter von 22 Jahren heiratete. Bis zum Tod ihres Mannes brachte Margaretha drei Söhne zur Welt: 1525 ihren ersten Sohn Jobst, der jedoch bei der Geburt starb, ein Jahr später Wilhelm und im Jahr 1528 Goddert. Ein weiterer Sohn namens Jobst wurde fünf Monate nach dem Tod seines Vaters im Oktober 1529 geboren; er wurde nur wenige Monate alt.
Margaretha übernahm die Verantwortung für Strünkede in unsicherer und unruhiger Zeit. Im Weinbuch der Stadt Recklinghausen wurde zwei Tage nach Jobsts Tod notiert, es sei „opror in dem Lande van der Marcke“, Aufruhr auf märkischem Gebiet also, der vermutlich mit den Bauernaufständen jener Zeit in Zusammenhang stand. Noch im selben Jahr hatte Strünkede Angriffe von Truppen aus Bochum und Wetter auszustehen, was Margaretha veranlasste, bei ihrem Lehnsherren, dem Herzog von Kleve, um Hilfe nachzusuchen.
Strünkede war zu Beginn des 16. Jahrhunderts noch nicht das barock geprägte Schloss, dessen Vollendung sich erst ihr Ur-Ur-Enkel Gottfried im Jahr 1664 rühmte. Zu Margarethas Zeit war Strünkede ein Lehen der Herzöge von Kleve und präsentierte sich als weitläufige Burganlage mit Haupt- und Vorburg, einem Torhaus, einem ausgedehnten Verteidigungssystem mit Wassergräben sowie einer auf dem Gelände befindlichen Burgkapelle und einer Kornmühle. Obgleich von zahlreichen Angriffen in seinem äußeren Erscheinungsbild in Mitleidenschaft gezogen, gehörte Strünkede zu dieser Zeit dennoch zu den großen und strategisch wichtigen Festungen der Herzöge von Kleve, die an dieser Stelle die Grenze zum Vest Recklinghausen sichern sollte. Bedingt durch jahrzehntelange Auseinandersetzungen bereits aus der Zeit von Margarethas Schwiegervater Reynar und dessen Bruder Johann mit der Stadt Recklinghausen um die Nutzung von Gemeinheitsflächen und das Fischereirecht in der Emscher, waren hier jedoch Ordnung und Friede in hohem Maße gefährdet. Durch weitere willkürliche Aktionen und Übergriffe ihres Mannes Jobst auf Recklinghäuser Ländereien, die ihm in späterer Zeit den Beinamen „toller Jobst“ eintrugen, waren diese Auseinandersetzungen gefährlich eskaliert, und Mord, Totschlag und Entführung waren an der Tagesordnung. Da Strünkede bei weiteren Kämpfen ohne männliche Führung vermutlich unterlegen wäre, bemühte sich Margaretha, die Differenzen auf dem Verhandlungswege beizulegen. Das Weinbuch der Stadt Recklinghausen weist mehrere Treffen mit dem Recklinghäuser Bürgermeister Jasper von Uhlenbrouck aus, bei denen Margaretha reguläre Pachtverträge für Weideflächen in Recklinghausen abschloss und Weide- und Holzrechte in der Recklinghäuser Mark für Strünkede sichern konnte. Allerdings hielt sich auch Margaretha nicht immer zuverlässig an die Vereinbarungen: Da sie mehr als die genehmigte Anzahl von Tieren zur Mast in die Recklinghäuser Mark eintreiben ließ, beschlagnahmte man ihre Herde, die sie erst auf Intervention des Herzogs von Kleve zurückerhielt.
Wenige Jahre später machte sich Margaretha daran, die finanziellen Grundlagen Strünkedes zu stärken. In einem Schreiben vom 15. April 1534 an den Rat der Stadt Recklinghausen gab sie ihre Absicht bekannt, eine Ölmühle zu errichten. Der vorgesehene Baugrund lag „in der Coppenburg“, einem an der heutigen Herner Funkenbergstraße gelegenen Areal. Um den erforderlichen Platz für Mühle und Teich zu schaffen, ließ sie das dort befindliche Wohnhaus des Bauern Arndt Kruse niederlegen. Trotz der hohen Investitionskosten waren Amortisation und Rentabilität der Mühle gesichert, da sämtliche in der Umgebung ansässigen Bauern verpflichtet waren, hier ihre Ölfrüchte mahlen zu lassen. Margaretha sicherte Strünkede damit auch für die Zukunft solide und geregelte Einkünfte. 
1535 starb Margarethas Schwiegervater Reynar von Strünkede. Er war wegen Landfriedensbruchs verurteilt und saß seit 1515 in lebenslanger Haft in Strünkede. Sein Sohn Jobst, Margarethas Mann, führte die Haftaufsicht – eine weitere Aufgabe, die Margaretha nach dem Tod ihres Mannes 1529 übernommen hatte. Der nächste Lehnsträger war ihr noch minderjähriger ältester Sohn Wilhelm. Er wurde 1536 unter der Vormundschaft Johanns von Virmund von Bladenhorst mit Strünkede belehnt, übertrug das Lehen jedoch, bedingt durch seinen Eintritt in den Deutschen Orden, 1544 auf seinen Bruder Goddert. Nach dessen offizieller Belehnung im Jahr 1548 zog sich Margaretha von Asbeck schließlich aus Strünkede zurück und heiratete zu einem nicht überlieferten Zeitpunkt in dritter Ehe Henrich von Loe zu Dorneburg.
In den Jahren um 1570 wurde Margaretha ein letztes Mal für Strünkede tätig. Die Auseinandersetzungen zwischen Strünkede und der Stadt Recklinghausen, die nach der Belehnung Godderts von Strünkede wieder aufgeflammt waren, sollten endgültig beigelegt werden. Goddert war zu diesem Zeitpunkt nach Auskunft der Quellen „verstandesblöde“ und nicht mehr geschäftsfähig. So trat Margaretha von Asbeck zusammen mit ihrem damals 23 Jahre alten Enkelsohn Jobst in die Verhandlungen ein und handelte einen Vergleich zur Beilegung der Streitigkeiten aus. Der Vertrag wurde am 5. Januar 1574 unterzeichnet und trugen seitens Strünkede die Unterschrift Margarethas von Asbeck und die ihres Enkelsohnes Jobst von Strünkede, in späteren Quellen als „gelehrter Jobst“ bezeichnet.
Danach liest man nichts mehr von Margaretha von Asbeck. Sie starb am 2. Februar 1587 und wurde im sogenannten Strünkeder Keller, dem Erbbegräbnis der Familie in der ehemaligen Herner Dorfkirche St. Dionysius, bestattet. Die Grabplatte befindet sich heute in der Schlosskapelle Strünkede. 
Gabriele Wand-Seyer/ Emschertalmuseum Herne

Orte:

Emschertal-Museum der Stadt Herne, Schloss Strünkede und Schlosskapelle Strünkede, Karl-Brandt-Weg 5, 44629 Herne


Literatur:

Pennings, H., Die Beziehungen zwischen Recklinghausen und Strünkede im 15. und 16. Jahrhundert T. 2. Vestische Zeitschrift 33, 1926, S. 1-80.
Steinen, J. D. von den, Westphälische Geschichte. 3. Theil. Das XVII. Stück. Historie von den Gerichtern und Kirchspielen Mengede, Bodelschwingen, Langentreer, Witten, Castrop und Strünckede. Lemgo 1757, S. 793-795.

, Margaretha von Strünkede zu Strünkede, Version 1.0,
in: frauen/ruhr/geschichte, Stand: 2010,
https://www.frauenruhrgeschichte.de/biografien/margaretha-von-struenkede-zu-struenkede/
Nutzungsbedingungen für diesen Artikel
Copyright © 2019 frauen/ruhr/geschichte und Autor_in.