Neuerscheinung: Dr. Anneliese Schröder 1924-2023. Ein Leben für die Kunst

Am 17. Januar 2024 jährte sich der Geburtstag von Dr. Anneliese Schröder zum 100sten Mal. Der Arbeitskreis Recklinghäuser Frauengeschichte hat dieses zum Anlass genommen, in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle, dem Institut für Stadtgeschichte und der Gleichstellungsstelle an ihre Verdienste für das Kunst– und Museumsleben in Recklinghausen zu erinnern. In diesem Zusammenhang werden mehrere Veranstaltungen angeboten.

Anneliese Schröder war von 1953 bis 1987 in der Leitung der Kunsthalle bzw. aller drei Städtischen Museen tätig, zunächst als kommissarische Leiterin, von 1954 bis 1979 als Stellvertreterin und ab 1979 als Direktorin. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben blieb sie der Kunst– und Kulturszene des Vest Recklinghausen eng verbunden.

In Ulm als Anneliese Erne geboren und in Ludwigshafen aufgewachsen, begann sie in München ein Studium der Kunstgeschichte und Archäologie. Sie beendete ihr Studium 1945 in Freiburg mit einer Dissertation über den griechischen Reiseschriftsteller Pausanias. 1948 zog sie mit ihrem Mann, dem Restaurator Felix Schröder, nach Recklinghausen. Hier brachte sie sich als Kunsthistorikerin sehr bald in die Neuausrichtung des Ausstellungs- und Museumslebens ein.

Während der Künstler und Kulturpolitiker Thomas Grochowiak von Recklinghausen aus international beachtete Impulse für einen künstlerischen Aufbruch des „Jungen Westens“ setzte und im Auftrag des Auswärtigen Amtes Ausstellungen Deutscher Kunst im Ausland organisierte, erarbeitete A. Schröder als Wissenschaftlerin die kunsthistorischen Begleitpublikationen. Sie publizierte zahlreiche Monografien u.a. über die Dorstener Künstlerin Tisa von der Schulenburg. Mit der von ihr 1960/61 kuratierten Ausstellung „Synagoga“ schrieb sie bundesrepublikanische Ausstellungsgeschichte. Diese zeigte zum ersten Mal nach der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich jüdische Kunst und jüdisches Kultusgerät in einer für Fragen nach der Verantwortung für den Holocaust noch kaum bereiten Bundesrepublik.

Das Spektrum der Tätigkeiten von Anneliese Schröder war breit angelegt. Das bedeutendste Ereignis ihrer Dienstzeit war nach eigenem Bekunden 1956 die Gründung des Ikonenmuseums. Darüber hinaus hat sie in den Aufbau einer der bedeutendsten Sammlungen für Naive Kunst und in zahlreiche Ausstellungen zu den Ruhrfestspielen ihr Herzblut gesteckt.

Anneliese Schröder teilte lange Jahre – wie viele Frauen ihrer Generation – die Rolle der Macherin in der zweiten Reihe. Nach dem Tod ihres Mannes 1968 war sie alleinerziehende Mutter dreier Kinder.

Sie wurde für ihre Verdienste um das kulturelle Leben in Recklinghausen 1989 mit dem Vestischen Preis geehrt. 2012 verlieh ihr der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz. Wenngleich sie selber immer sagte, sie habe doch nur ihre Arbeit getan, hat sie sich darüber sehr gefreut. Kurz vor ihrem 90sten Geburtstag ist Anneliese Schröder im Dezember 2013 verstorben.

AK Recklinghäuser Frauengeschichte (Hg.): Dr. Anneliese Schröder 1924-2023. Ein Leben für die Kunst (Blätter zur Vestischen Frauengeschichte Bd. 5). Recklinghausen 2024, 45 Seiten, 5 €

Die Broschüre ist zu bestellen über www.frauengeschichte-re.de

Zitation: , Neuerscheinung: Dr. Anneliese Schröder 1924-2023. Ein Leben für die Kunst, Version 1.0, in: frauen/ruhr/geschichte, https://www.frauenruhrgeschichte.de/neuerscheinung-dr-anneliese-schroeder-1924-2023-ein-leben-fuer-die-kunst/

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