Mechthild von Virneburg / [o.A.]-1338

Herrin von Dinslaken

Mechthild, eine junge Frau aus adeliger Familie, wurde im frühen 14. Jahrhundert zu einer bedeutenden Frauengestalt im Raum Dinslaken. Sie verwaltete von 1310 bis 1338 das Land Dinslaken mit seinen umfangreichen Ländereien, Gerichten, Höfen, Gütern und Menschen. Unter ihr wurde das Land Dinslaken erstmals als eine Einheit gesehen und ging in die Urkunden ein.
Mechthild stammte aus dem bedeutenden Geschlecht derer von Virneburg. Das Dorf Virneburg und die namengebende Burg liegen in der Eifel zwischen der Stadt Mayen und dem Nürburgring an der B 258 im Tal des Nitzbachs. Die Grafen von Virneburg gehörten als Lehnsträger des Kölner Erzstifts zu den hochrangigen Vertretern des Adels und waren bedeutende sie sind bedeutende Parteigänger des Kölner Erzbischofs.

Am 1. August 1308 heiratete Mechthild von Virneburg den Grafen Otto von Kleve. Mechthild dürfte zu diesem Zeitpunkt zwischen 12 und 17 Jahren alt gewesen sein. Die Ehe wurde von Heinrich von Virneburg, dem Kölner Erzbischof, arrangiert, um seinen Einfluss entlang des Rheinstromes auszuweiten. Otto, geboren 1287, war der elfte in der Reihe der Grafen von Kleve und gehörte zu Heinrichs treuesten Anhängern und Verbündeten. Otto regierte die Grafschaft seit 1305. Die Ehe dauerte nur knapp zwei Jahre, Otto starb im September 1310 und Mechtild wurde im Alter von nicht einmal zwanzig Jahren Witwe.

Obwohl sehr jung verwitwet, heiratete Mechthild nicht wieder. Aus der Ehe zwischen Mechthild und Otto ging ein Kind hervor: Die Tochter Irmgard wurde 1311 geboren. Mechtild von Virneburg erhielt als Wittum, als Witwenversorgung, Stadt und Burg Dinslaken mit etlichen Gerichten und Höfen in der Umgebung als Leibzucht.
Als Witwe verfügte Mechthild über die Möglichkeit, eigenverantwortlich in dem ihr zugewiesenen Bereich zu wirken; sie war rechtsfähig. In den Urkunden nannte sie sich „vrouwe van Dynslaken“, lateinisch „domina de Dinslaken“ oder „Altgräfin“. Mechtild verwaltete das ihr als Witwe übereignete Gebiet, vergrößerte es und verfügte über die Erträge. Sie sorgte für ihre Tochter und deren angemessene Verheiratung. Bei alledem stützte sie sich auf die Familie Virneburg.

Unmittelbar nach Ottos Tod handelte Mechthilds Onke Heinrich von Virneburg, der Erzbischof von Köln. Er suchte seinen Besitz am Niederrhein unbedingt zu einem größeren Territorium zusammenzufügen und die Grafschaft Kleve in den Besitz der Kirche bringen. So erklärte er das Lehen Kleve für verfallen und versuchte, es an sich zu ziehen. Erzbischof Heinrich konnte unter anderem Friedrich den Schönen von Österreich als Verbündeten für seine Politik gewinnen. Friedrich sollte im Gegenzug bei der bevorstehenden Königswahl deutscher König werden.

Doch für den Kölner Erzbischof kam die Königswahl von 1314 einer Katastrophe gleich, denn Friedrich der Schöne verlor und Ludwig von Bayern wurde zum König gewählt. Die Pläne des Erzbischofs, die auch Mechtilds Zukunft betrafen, konnten nun nicht mehr verwirklicht werden: Kleve blieb eine eigene Grafschaft und Dinslaken fiel wieder an Kleve.

Im Jahr 1325 wurde Irmgard, Mechtilds Tochter, standesgemäß mit Johann von Arkel, einem jungen Mann aus einem angesehenen Geschlecht bei Utrecht, verheiratet. Nach der Eheschließung der Tochter musste sich Mechtild einschränken, große Teile ihres Besitzes und ihrer Einnahmen abgeben.

Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren gab sie es auf, ihren Besitz selbst zu verwalten. Für eine jährliche Rente trat Mechtild von Virneburg Dinslaken mit allen Rechten und Pflichten an Johann von Kleve ab. Mechthild starb, nachdem sie etwa 22 Jahre im Klosters Oberndorf bei Wesel verbracht hat, als hochbetagte Frau. Durch das Totenverzeichnis des Klosters kennen wir ihren Todestag: Es ist der 25. April 1360.

Gisela Marzin/ Stadtarchiv Dinslaken

Orte:

Burg Dinslaken, Platz d Agen, 46535 DInslaken

Literatur:

Marzin, Gisela, Mechthild von Virneburg, Herrin von Dinslaken 1310 bis 1338, in: Frauengeschichtskreis DInslaken (Hg.), Der andere Blick. Frauenleben in Dinslaken, Essen 2001, S. 21-32.

Marzin, Gisela, Mechthild von Virneburg, Version 1.0,
in: frauen/ruhr/geschichte, 14. 04. 2010,
https://www.frauenruhrgeschichte.de/biografien/mechthild-von-virneburg/
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