Frauen in die Politik: Wiederaufbau in der Nachkriegszeit

LWL-Historiker*innen erinnern angesichts 75 Jahre nach Kriegsende am 8. Mai 1945 daran, dass Frauen in der Nachkriegszeit eine besondere Rolle zugewiesen wurde.

Nachdem sich bereits im August 1945 die großen Parteien der Weimarer Republik wieder beziehungsweise neu gegründet hatten, fand sich nicht selten die Parole: „Nun sind die Frauen an der Reihe.“ Dabei war allerdings von Seiten der Parteien weniger an deren paritätischer Mitwirkung gedacht, als an ihre praktische, meist fürsorgerische Tätigkeit vor Ort in Frauenvereinen oder kommunalen Frauenausschüssen, um kurzfristig die größte Not zu lindern.

Ein solcher Frauenausschuss wurde zum Beispiel am 12. September 1946 in Dortmund ins Leben gerufen. Die britische Militärregierung begrüßte grundsätzlich eine stärkere politische Beteiligung von Frauen. Sie stand nicht nur den Frauenausschüssen positiv gegenüber, sondern befürwortete auch eine angemessene weibliche Repräsentanz in den Stadträten und deren Ausschüssen. So sprachen sich englische Behörden anlässlich der Kommunalwahlen im Oktober 1948 in einem Schreiben an Heinrich Austermann, den damaligen Stadtdirektor von Münster, ausdrücklich für eine stärkere Vertretung von Frauen im Rat und in den Ausschüssen aus. Im Ergebnis blieb der Aufruf der britischen Behörden jedoch ohne Erfolg. Im neugewählten Rat waren unter den 33 Mitgliedern nur zwei Frauen vertreten.

Während sich vielerorts soziale und kulturpolitische Vereine von Frauen gründeten, waren Frauen an der Wiedergründung der demokratischen Parteien nur vereinzelt beteiligt. In Ostwestfalen beispielsweise knüpfte die Sozialpolitikerin Friederike (Frieda) Nadig aus Herford an ihre politische Karriere in der SPD an, für die sie in den 1920er Jahren bereits in den Westfälischen Provinziallandtag gewählt worden war. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur beteiligte sich Nadig am demokratischen Wiederaufbau Deutschlands zunächst als Mitglied im Zonenbeirat für die Britische Zone und von 1947 bis 1950 als Landtagsabgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag. Außerdem gehörte sie 1948 zu den „vier Müttern“ des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat.

 

 

, Frauen in die Politik: Wiederaufbau in der Nachkriegszeit, Version 1.0,
in: frauen/ruhr/geschichte, Stand: 2010,
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