Archiv Ernst Schmidt

Das Archiv Ernst Schmidt ist aus einer privaten Initiative des Essener Historikers Dr. Ernst Schmidt entstanden. Das Archiv umfasst etwa 12.000 Schriftstücke (Akten, Briefe, Flugblätter), umfangreiche Zeitungsbestände, Fotografien, lebensgeschichtliche Interviews mit Zeitzeugen, gegenständliche Objekte und wissenschaftliche Publikationen, vor allem zur Geschichte der Essener Arbeiterbewegung im 19. und 20. Jahrhundert sowie zu Essen unter der nationalsozialistischen Herrschaft.

Hervorzuheben sind folgende Sammlungsbestände:
- die Frühphase der Arbeiterbewegung - Novemberrevolution und Weimarer
  Republik in Essen
- Verfolgung und politischer Widerstand in Essen und im Ruhrgebiet
- Essen und Umgebung nach 1945
- die Geschichte der Essener SPD nach 1945
- lokale Alltagsgeschichte
- die Geschichte des Essener Stadtteils Borbeck.

In dem Archiv Ernst Schmidt im Essener Haus der Geschichte befinden sich zwei Interviews mit Essenerinnen und ein Dokumentarfilm.

Kontakt:
Frau Birgit Hartings
Archiv Ernst Schmidt
Ernst-Schmidt-Platz 1
45128 Essen
Tel.: +49 201 - 8841319
E-Mail: birgit.hartings@archiv.essen.de
montags bis mittwochs in der Zeit von 9.00 bis 14.00 Uhr


Im Archiv Ernst Schmidt sind folgende Interviews und Filme zu hören bzw. einzusehen:

Interview mit Anna Elvira Teschner (1910-1997), einer Essener Kommunistin, die das Konzentrationslager Ravensbrück überlebt hat. Aufgewachsen in einem gewerkschaftlich orientierten Elternhaus in Essen, heiratete sie den Kommunisten Oskar Fichter und schloss sich dem organisierten NS-Widerstand an. Oskar floh bereits 1934 in die Niederlande, „Erna“, so ihr Deckname, 1935. Jahre der Flucht folgten, in denen sie ihren Aufenthaltsort mehrmals wechseln musste. 1941 wurde sie denunziert und bis Kriegsende wegen „Hochverrats“ in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert, zuletzt im KZ Ravensbrück. Nach dem Krieg war sie Mitglied der KPD, nach deren Verbot dann in der DKP, aktiv jedoch vor allem im VVN.
7 Fuji H521E KCS-20 U Matic Tapes
  Literatur: Die Echternacher Springprozession 1838 und die Emigrantin Anna Fichter, in: Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis. Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945, Bd. 1, Essen 19893, S. 235-250.

Interview mit Irene Thiessies (geb. 1910), die Mitglied der Bekennenden Kirche in Essen-Rüttenscheid war. Sie war Tochter des evangelischen Pfarrers Dr. Ludwig Sander der Essener Altstadt-Gemeinde, machte 1931 ihr Abitur an der Essener Luisenschule und arbeitete ab 1936 in der Geschäftsstelle der Evangelischen Bekenntniskirche in Essen-Rüttenscheid, die in Teilen konspirativ zu verlaufen hatte. 1937 lernte sie ihren späteren Mann Gustav Thiessen kennen, den sie 1939 heiratete, nachdem man ihn, gleichfalls Mitglied der Bekennenden Kirche, aus der „Schutzhaft“ in Buchenwald entlassen hatte. Irene Thiessies wurde 1941 Witwe, zog ihre beiden Söhne alleine groß, wurde später Altenpflegerin und Gemeindeschwester.
6 Fuji H521E KCS-20 U Matic Tapes
   Literatur: Die Essener Geschäftsstelle der Evangelischen Bekenntniskirche im Rheinland – Irene Thiessen erzählt, in: Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis. Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945, Bd. 2, Essen 1988, S. 111-134.

Die genaue Angabe der Bandbezeichnung ist hier notwendig, weil es sich um ein altes Format handelt, für das nur noch wenige ein Abspielgerät besitzen. Das Archiv selbst besitzt kein solches Abspielgerät.


„Wir haben widerstanden“ Essener Frauen im antifaschistischen Widerstand
Medienzentrum Ruhr 1987, VHS