Archiv Deutsches Gedächtnis/ Institut für Geschichte der Fernuniversität Hagen

Das erste und dabei wohl immer noch umfangreichste Oral-History-Projekt in der Bundesrepublik Deutschland war das Projekt „Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930-1960“ unter der Leitung von Lutz Niethammer und Alexander von Plato, begonnen 1980 an der Universität/Gesamthochschule Essen und fortgeführt an der Fernuniversität Hagen. In einer Fülle von Einzelaspekten ging es um Faschismuserfahrungen sowie um deren Verarbeitung und Bedeutung als Vorgeschichte der Nachkriegszeit. Unter Leitung von Lutz Niethammer hatte sich eine Gruppe von Historikern, darunter Ulrich Herbert, Dorothee Wierling, Alexander von Plato, Michel Zimmermann und Franz Brüggemeier zusammengefunden, um gemeinsam Interviews zu erheben, die dann von den einzelnen als Quellen für ihre jeweiligen Fragestellungen genutzt wurden. Insgesamt konnten so mehrere hundert lebensgeschichtliche Interviews mit Personen aus der Wirtschaft, dem Mittelstand und der Arbeiterschaft des Ruhrgebiets geführt werden, darunter eine große Zahl von Betriebsräten und Flüchtlingen. Die hier entwickelte Forschungspraxis und Interviewtechnik waren richtungweisend für die Entwicklung der Oral History in Deutschland und setzten Standards, die bis heute gültig sind. Die Ergebnisse des Projektes wurden in drei Bänden veröffentlicht:

Lutz Niethammer (Hg.):„Die Jahre weiß man nicht, wo man die heute hinsetzen soll.“ Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet, Berlin/Bonn 1983

Lutz Niethammer (Hg.):„Hinterher merkt man, daß es richtig war, daß es schiefgegangen ist.“ Nachkriegserfahrungen im Ruhrgebiet, Berlin/Bonn 1983

Lutz Niethammer und Alexander von Plato (Hg.):„Wir kriegen jetzt andere Zeiten.“ Auf der Suche nach der Erfahrung des Volkes in nachfaschistischen Ländern, Berlin/Bonn 1985.

 

Almut Leh/ Institut für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen

Interviews