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Catherine Hall

Die britische Sozial- und Kulturhistorikerin Catherine Hall erhielt am 15. November den 6. Bochumer Historikerpreis. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis würdigt das beeindruckende Lebenswerk der britischen Historikerin, die bis zu ihrer Emeritierung am University College London lehrte.

Die Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets verleiht die Auszeichnung seit 2002 im Drei-Jahres-Rhythmus gemeinsam mit der Stadt Bochum, der Ruhr-Universität Bochum und der Stiftung der Sparkasse Bochum zur Förderung von Kultur und Wissenschaft.

„Catherine Hall gehört zweifellos zu den weltweit methodisch innovativsten Forscherinnen und Forscher im Feld der Sozial- und Kulturgeschichte. Ihre Arbeiten genießen international höchste Anerkennung und werden nicht nur in der wissenschaftlichen Fachwelt breit rezipiert. Auch in den aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten um den Kapitalismus wird auf Halls Werk Bezug genommen“, begründete Prof. Stefan Berger, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets die Entscheidung der Stifter.

Bereits ihr 1987 gemeinsam mit Leonore Davidoff verfasstes Erstlingswerk über “Family Fortunes. Men and Women of the English Middle Class 1780 -1850” (Familienschicksale. Männer und Frauen der englischen Mittelklasse 1780-1850) wurde breit rezipiert und entfaltete in längerer Perspektive eine bahnbrechende Wirkung auf die Entwicklung der internationalen Geschichtsschreibung über Klassen- und Geschlechterbeziehungen.

Catherine Hall wurde 1992 an der University of East London promoviert. Seit 1998 bis zu ihrer Emeritierung war sie Professor of Modern Social and Cultural History am University College London. Der Einfluss von sozialen Klassen sowie die Kategorie Geschlecht blieben im Zentrum ihres Blicks auf historische Prozesse. Dabei galt Catherine Halls Interesse vor allem der Beziehung zwischen Metropole und Kolonien im britischen Empire des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie untersuchte, wie die Erfahrung des Empire „zu Hause“ in England gelebt wurde, welche Wirkung sie insbesondere auf das großstädtische Leben sowie auf die Ausbildung weiblicher und männlicher Identitäten in England hatte. Insbesondere die systematische und multiperspektivische Aufeinanderbeziehung der Fragen von race, gender und class stellt eine herausragende Pionierleistung dar. Ihre hohe internationale Reputation ermöglichte ihr die Leitung von zwei europäischen Großprojekten zur britischen Sklavereigeschichte. Catherine Hall ist Chair Emerita des Centre for the Study of the Legacies of British Slave-ownership. In Halls Arbeiten verschränken sich in methodisch innovativer Form einerseits nationale, koloniale und imperiale Perspektiven sowie andererseits mikro- und makrohistorische Arbeitsweisen.

Catherine Halls Hauptwerke
- (mit Leonore Davidoff) Family Fortunes: Men and Women of the English Middle Class 1780-1850 (Routledge 1987)
- White, Male and Middle Class: Exploration in Feminism and History (Polity Press, 1992)
- (hg. mit Ida Blom, Karen Hagemann) Gendered Nations: Nationalisms and Gender Order in the Long Nineteenth Century (Berg 2000)
- (hg. mit Keith McClelland, Jane Rendall) Defining The Victorian Nation: Class, Race, Gender and The British Reform Act of 1867 (Cambridge University Press, 2000)
- (hg.) Cultures of Empire: Colonizers in Britain and the Empire in the Nineteenth and Twentieth Centuries (Routlege 2000)
- Civilising Subjects: Metropole And Colony In The English Imagination, 1830-1867 (Chicago University Press 2002)
- At Home with the Empire: Metropolitan Culture and the Imperial World (Cambridge University Press, 2006)
- (ed. with Keith McClelland) Race, Nation and Empire: Making Histories, 1750 to the Present (Manchester University Press, 2010)
- Macaulay and Son: Architects of Imperial Britain (Yale University Press, 2012)
- (ed. with Keith McClelland, Katie Donington,Rachel Long) Legacies of British Slave-Ownership: Colonial Slavery and the Formation of Victorian Britain (Cambridge University Press, 2014)