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Salon "Frauenbilder"

Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921):
„Dumme Gans“ oder „Engel des Friedens und der Liebe“?

vorgestellt von Dr. Thomas Parent, freier Eintritt.

Patriotische Erinnerungsliteratur verklärte Deutschlands letzte Kaiserin noch lange als treusorgende Ehefrau Wilhelms II., als liebevolle Mutter von sieben Kindern, als fürsorgliche Landesmutter, besonders für die Armen und Schwachen. Auf dem Höhepunkt der Industriellen Revolution wollte sie die soziale Not in der Arbeiterklasse vor allem durch Karitas und protestantischen Kirchenbau lindern!

Die historische Forschung korrigiert allerdings dieses Idealbild und hinterfragt den engen geistigen Horizont der Monarchin, ihre religiöse Intoleranz, ihren autokratischen Herrschaftsanspruch, ihr ignorantes Unverständnis gegenüber der Sozialdemokratie. Vor allem in der Endphase des Kaiserreichs hat Auguste Victoria eine unheilvolle politische Rolle gespielt und dabei ungewollt zum Sturz der Hohenzollern-Monarchie in der Novemberrevolution von 1918 beigetragen.

Die Vortragsveranstaltung skizziert die Biographie und die Persönlichkeit der Kaiserin. Vorgestellt wird ihr Wirken in Familie, Staat und Gesellschaft. Ausgelotet werden imperiale Repräsentation und karitatives Engagement, guter Wille und schmerzliche Überforderung, später Machtkampf und endgültiges Scheitern.

Berücksichtigt wird auch ihre Bedeutung für Westfalen und für das Ruhrgebiet. Nachdem die Zeche Auguste Viktoria als vorletztes Ruhrbergwerk 2015 die Förderung eingestellt hatte, überführte die Stadt Marl das Denkmal der Monarchin in einem Festakt vom Zecheneingang in die zentrale Fußgängerzone. Die Aktion stieß auch auf Kritik: „Dass sich gerade SPD-Genossen für eine reaktionäre Kaiserin stark machen, wundert einen schon“, kommentierte der örtliche Lokalkompass: „Sie gehörte zur Herrscherfamilie der Hohenzollern, die den Ersten Weltkrieg mit verursachten. Die Hohenzollern kämpften immer gegen die Sozialdemokratie, unter ihrer Herrschaft wurden die Sozialistengesetze beschlossen.“

Veranstaltungsort:
LWL-Industriemuseum
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35, 58452 Witten